Philadelphia – Spielsucht, Kaufrausch, Essattacken und ein gesteigerter Sexualtrieb sind mögliche Folgen einer Stimulation des Belohnungssystems durch Dopaminagonisten im Rahmen der Behandlung eines Morbus Parkinson. Die Prävalenz ist einer Querschnittsstudie in den Archives of Neurology (2010; 67: 589-595) zufolge häufiger als bisher angenommen.
Zunächst fanden sich Fallberichte in der Literatur über teilweise bizarre Verhaltensweisen von Parkinsonpatienten, dann folgten vorsichtige Schätzungen, nach denen nur wenige Prozent der Patienten unter einer verminderten Impulskontrolle oder Zwangsstörungen leiden sollen.
Nach der bisher größten und zugleich sorgfältigsten Untersuchung müssen die Zahlen nach oben korrigiert werden. An 36 Behandlungszentren in den USA und in Kanada untersuchten Daniel Weintraub von der Universität Philadelphia und Mitarbeiter 3.090 Patienten.
Zur Anwendung kamen der Massachusetts Gambling Screen für eine Spielsucht, das Minnesota Impulsive Disorders Interview, das zwanghaftes Kauf- und Sexualverhalten erkennt, sowie die DSM-IV-Kriterien für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Fourth Edition, Text Revision) für das „Binge Eating“, einer Essstörung mit periodischen Heißhungeranfällen.
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Neben den Medikamenten erhöhten auch ein junges Alter (unter 65 Jahren: OR 2,5) und eine Familienanamnese einer Spielsucht (OR 2,08) das Risiko. Weiterhin scheinen Ledige (OR 1,48), US-Amerikaner mehr als Kanadier (OR 1,62) und Raucher (OR 1,70) vermehrt gefährdet zu sein.
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