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Medizin

Hoch dosiertes Vitamin D steigert Knochenbruchrisiko

Mittwoch, 12. Mai 2010

Melbourne – Die Idee, die Vitamin-Substitution auf eine einmal jährlich oral applizierte Mega-Dosis zu konzentrieren, hat in einer randomisierten klinischen Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 1815-1822) nicht die erhoffte Wirkung erzielt: Es kam zu einem Anstieg der Stürze und der Knochenbrüche.

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Viele ältere Menschen haben einen latenten Vitamin D-Mangel, der sie einem erhöhten Risiko von Stürzen (infolge der gestörten neuromuskulären Funktion) und Frakturen (infolge einer verminderten Knochenmineralisation) aussetzt. Ob dies durch eine alleinige Vitamin-D-Substitution verhindert werden kann, ist umstritten.

Erst kürzlich war die „Vitamin D Individual Patient Analysis of Randomized Trial“ zu dem Schluss gekommen, dass ohne eine zusätzliche Kalziumgabe keine günstigen Auswirkungen zu erwarten sind (BMJ 2010; 340: b5463). Diese Meta-Analyse war Kerrie Sanders von der Universität Melbourne und Mitarbeitern nicht bekannt, sonst hätten sie in ihrer Studie vermutlich nicht auf eine Kalziumsubstitution verzichtet.

Auch die Ergebnisse einer britischen Studie, in der eine einmal jährliche intramuskuläre Injektion mit 300.000 IU Vitamin D die Rate von Hüftfrakturen um 49 Prozent erhöhte (Rheumatology 2007; 46: 1852-1857), lagen bei Planung der Studie noch nicht vor.

Zudem applizierten die australischen Forscher mit 500.000 IU Vitamin D ihren Studienteilnehmern die höchste jemals in einer klinischen Studie verwendete Dosis. Die 2.256 Frauen im Alter über 70 mit einem erhöhten Frakturrisiko hatten per Post einmal jährlich (in den Herbst und Wintermonaten) jeweils zehn Tabletten mit dem Wirkstoff oder einem Placebo erhalten.

Wie in der britischen Studie führte dies nicht zu der erhofften Senkung des Knochenbruchrisikos: Im Vitamin D-Arm kam es zu 4,9 Frakturen pro 100 Personenjahre, unter Placebo waren es nur 3,9 Frakturen pro 100 Personenjahre. Sanders errechnet ein relatives Risiko von 1,26 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,00-1,59).

Hinzu kam ein erhöhtes Sturzrisiko: 837 Frauen aus dem Vitamin D-Arm erlitten 2892 Stürze (83,4 pro 100 Personenjahre), während im Placebo-Arm 769 Frauen insgesamt 2512 Stürze erlitten (72,7 pro 100 Personenjahre). Das ergibt eine Inzidenzrate von 1,15 (1.02-1,30).

Damit dürften Experten wohl künftig von einer einmal jährlichen Substitution abraten, so bequem sie auch sein mag. Offen ist noch die Ursache des erhöhten Risikos. Eine Überdosierung scheint möglich. Die meisten Stürze ereigneten sich jedenfalls in den ersten drei Monaten nach der Einnahme der Tabletten.

Ob eine Verteilung der Vitamin D-Dosis auf vier Dosierungen pro Jahr die Nachteile vermeidet, wie Sanders vermutet, müsste erst noch in zukünftigen Studien geklärt werden. Die Notwendigkeit zur gleichzeitigen Kalziumgabe, die regelmäßig erfolgen muss, stellt den Sinn langer Dosierungeintervalle bei der Vitamin D-Gabe allerdings infrage. © rme/aerzteblatt.de

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