Dresden – Auch in Deutschland soll bei der postmortalen Spende von Organen künftig eine Widerspruchslösung gelten. Dafür sprach sich kurz vor Ende des 113. Ärztetages in Dresden das Ärzteparlament aus. Durch eine entsprechende gesetzliche Neuregelung erhoffen sich die Delegierten eine höhere Anzahl an gespendeten Organen.
Bislang gilt hierzulande die erweiterte Zustimmungslösung. Sie führt nach Ansicht des Ärztetages jedoch dazu, dass nur ein geringer Teil derjenigen, die der Organspende positiv gegenüber stehen, auch tatsächlich Spender werden. Jährlich sterben in Deutschland etwa 1.000 Menschen, weil nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung steht.
Impressionen vom 113. Deutschen Ärztetag vom 11. bis. 14. Mai 2010 in Dresden
Das Votum des Ärztetages für eine Widerspruchslösung war nicht unbedingt zu erwarten gewesen: Noch vor drei Jahren beschloss der 110. Ärztetag, die Einführung der Widerspruchslösung so lange nicht zu empfehlen, bis nicht alle anderen Optionen ausgeschöpft sind.
„In vielen Bereichen wurden die Organisationsstrukturen verbessert, Finanzmittel erhöht und Motivationskampagnen gestartet“, erläuterte Karl Breu von der Bayerischen Landesärztekammer. Trotzdem sei die Anzahl gespendeter Organe in Deutschland erneut deutlich von 4.140 im Jahr 2007 auf 3.879 im vergangenen Jahr gesunken. Verlaufsstudien aus anderen Ländern hätten jedoch gezeigt, dass die Einführung der Widerspruchslösung die Zahl der Spender um ein Mehrfaches steigern könne.
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