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Pockenimpfung könnte vor HIV schützen

Dienstag, 18. Mai 2010

Manassas – Hat das Auslaufen der Pockenschutzimpfung die HIV-Epidemie begünstigt? Dies vermuten US-Forscher in BMC Immunology (in press). Ihre In-vitro-Experimente zeigen, dass das Impfstoffvirus die Replikation von HI-Viren deutlich unterdrückt.

Im Jahr 1977 ist der letzte Mensch an Pocken erkrankt. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Welt für pockenfrei. Schon vorher, in Deutschland in 1975, hatten viele Länder die Pockenimpfung eingestellt. In den gleichen Zeitraum fällt nach heutigen Erkenntnissen die Ausbreitung von HIV in Afrika. Sollte hier ein Zusammenhang bestehen?

Raymond Weinstein von der George Mason University in Manassas/Virginia hält dies für möglich. Seiner Ansicht nach könnte die Exposition mit dem Vaccinia-Virus zu einer langfristigen Veränderung im Immunsystem geführt haben.

Es könnte die Expression des CCR5-Rezeptors auf der Oberfläche der CD4-Zellen gefördert haben. Dieser CCR5-Rezeptor gilt als Ursache einer HIV-Resistenz, bei der Infizierte auf Jahrzehnte nach der Infektion nicht an einer Immunschwäche erkranken. Solche Fälle sind heute extrem selten. Zu Zeiten der Pockenimpfung könnten sie häufiger gewesen sein, mutmaßt Weinstein.

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Als Beleg führt er Untersuchungen an Blutproben von US-Rekruten an, von denen einige 3 bis 6 Monate zuvor (aufgrund der Terrorismus-Furcht) gegen Pocken geimpft worden waren. Bei diesen Rekruten war die CCR5-vermittelte HIV-1-Replikation bis zu 5-fach niedriger als in einer Vergleichsgruppe nicht geimpfter Soldaten.

Ob dies ausreicht, um die Ausbreitung von HIV zu erklären, bleibt abzuwarten. Die Hypothese könnte aber überprüft werden – durch eine klinische Studie, in der Personen mit einem hohen Infektionsrisiko gegen Pocken geimpft würden. Eine einzige In-vitro-Untersuchung dürfte allerdings kaum ausreichen, um eine solche Studie zu rechtfertigen. Auch Weinstein fordert zunächst weitere Tests.

Es wäre übrigens nicht die erste Hypothese, die sich als unhaltbar erweisen könnte. Als widerlegt gilt die Annahme, dass die Wiederverwendung von Injektionsnadeln in den 1950er und 1960er Jahren oder die Kontamination früher Chargen des Polio-Impfstoffes die HIV-Epidemie gefördert haben.

Der Verdacht, dass Polio-Impfstoffe HI-Viren enthält, war vor wenigen Jahren in Nigeria wieder aufgetreten. Die muslimische Bevölkerung im Norden des Landes befürchtete einen Genozid durch die Regierung im christlichen Süden. Die Impfkampagne der WHO brach zeitweise zusammen. Die Polio konnte sich danach vorübergehend, vermutlich über Mekka-Pilger bis nach Indonesien ausbreiten. © rme/aerzteblatt.de

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