Politik

Stellenabbau führt zu Mängeln in der Pflege

Mittwoch, 19. Mai 2010

Berlin – Der zunehmende Pflegenotstand in den Krankenhäusern führt zu Mängeln in der Patienten­versorgung. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung von Pflegekräften, die das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) am Mittwoch in Berlin vorstellte.

So hat der massive Stellenabbau in der Pflege laut „Pflegethermometer 2009“, dazu geführt, dass immer weniger und statistisch betrachtet immer ältere Pflegekräfte immer mehr Patienten versorgen müssen. Die Folge ist eine zunehmende Arbeitsbelastung der Pflegekräfte, die sich unmittelbar auf die Versorgungsqualität auswirkt.

Anzeige

Besonders bei der Pflege verwirrter und bewegungseingeschränkter Patienten, der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender sowie der Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme zeigt die Studie Mängel auf. Aber auch bei Medikamentengabe, Verbandswechsel und Hygienemaßnahmen konnten mehr als Hälfte der Befragten nicht ausschließen, dass sie aufgrund der hohen Arbeitsbelastung Fehler machen.

Kurzfristige Änderungen des Personalmangels in der Krankenhauspflege erscheinen nach den vorliegenden Erkenntnissen kaum möglich, da nicht genügend ausgebildet werde und der Arbeitsmarkt leer sei. Wie der steigende Bedarf an Pflegekräften zukünftig gedeckt werden könne, bleibe vor diesem Hintergrund offen, so das dip.

„Das, was in den vergangenen Jahren bei den Krankenhausärzten mit einem deutlichen und anhaltenden Ausbau von mehr als 20.000 Stellen richtig gemacht wurde, ist bei der Krankenhauspflege durch einen massiven Stellenabbau schief gelaufen und wird nun immer folgenschwerer für die Beschäftigten und die Patienten“, warnte Projektleiter Michael Isfort.

Auch der Deutsche Pflegerat (DPR) betrachtet die Befunde des Pflegethermometers mit Sorge. „Angesichts der heute vorgelegten Empirie muss Schluss sein mit dem Taktieren, Lavieren und Kaschieren des eklatanten Pflegekollaps in der Republik“, forderte DPR-Präsident Andeas Westerfellhaus.

Seiner Ansicht nach tragen im Krankenhausbereich die Träger und in der ambulanten Pflege und stationären Altenhilfe die Kostenträger die Hauptverantwortung für die schlechte Pflegepersonalausstattung und ihre Folgen für die Versorgung.

Westerfellhaus forderte Bundes- und Landesregierungen endlich die richtigen Weichstellungen vorzunehmen, „statt tatenlos die drängenden Probleme auszusitzen oder schönzureden“. Dazu gehöre auch die Pflege als Berufswahl nachhaltig attraktiv zu gestalten, Arbeitsbedingungen zu verbessern und in Personalausstattung, Ausbildung, Verantwortungsbereiche, Karrierechancen und Vergütung zu investieren.

„Die Kampagnen des Aktionsbündnis Patientensicherheit müssen wirkungslos verpuffen, wenn in der Realität die Rahmenbedingungen für die pflegerische Versorgung gegen alle Regeln der professionellen Sorge und Betreuung gestaltet werden“, warnte Westerfellhaus. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

polmu
am Donnerstag, 20. Mai 2010, 21:06

Verbessern wird sich hier gar nichts,

weil z.B. derzeit ein "großer Haufen Geld" nicht für die Pflege, sondern für das Aufblasen eines bürokratischen Monsters mit Namen § 7a SGB XI (dieses Bömbchen hat vor Jahren noch Frau Ulla Sch. gebastelt und mit einem mehrjährigen Zeitzünder versehen) verschwendet wird.
promisit
am Donnerstag, 20. Mai 2010, 09:03

Die Verantwortlichen sind gut gepflegt..

Seit 1995 sind die ausgebildeten Vollpflegekräfte um fast 15 % gesunken bei einer dramatischen Erhöhung der Pflegeleistungen in der gleichen Zeit. Die verantwortlichen Personen, die damit ihr Geld verdienen, sind im Zweifelsfall 1.Klasse versorgt. Solange es keine Lobby für die Pflege gibt, wird sich nichts ändern. Im Gegenteil. Kommunale Kliniken planen in den nächsten Jahren eine Kosteneinsparung bei der Pflege von rund 35 %. Pflege hat keinen wirtschaftlichen Nutzen. Sie kostet nur Geld. Na dann......
Peanut71
am Mittwoch, 19. Mai 2010, 23:15

Ja - es ist so schlimm, sogar noch schlimmer.

Ja die Pflege ist so schlimm. Oder wie kommt es zu Dekubiti Grad IV, an denen jährlich viele Menschen sterben? Mein Mann wurde aufgrund solch eines Dekubitus Grad IV - sprich es prangerte ein großes, schwarzes und verkeimtes Loch an seinem Steiss - berufsunfähig, weil er 1 1/2 Jahre nicht therapiert werden konnte. Er durfte lediglich liegen - 90 Grad rechts und 90 Grad links ... das war es dann. Und neurologische Schäden müssen sofort nach einem SA therapiert werden.

Und ein Dekubitus Grad IV entsteht nicht über nacht, auch wenn man uns das weiss machen möchte und das ist definitiv ein Pflegefehler, der aufgrund Personalmangel immer wieder passiert. Wir sind kein Einzelfall.
polmu
am Mittwoch, 19. Mai 2010, 20:18

Was soll diese Heuchelei?

Ist der Mangel an Pflege am Menschen tatsächlich so schlimm. Die Erfahrungen aus dem sog. Pflege-TÜV oder sonstigen (spontanen oder geplanten) Überprüfungen der Pflegeeinrichtungen zeigen dochvor allem eines: Wichtig ist die Pflege der Akten, nicht die der Menschen. Geprüft und letztlich gut benotet wird die akribische und extensive Dokumentation und nicht die tatsächliche Ausführung pflegerischer Leistungen.
5.000 News Politik

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige