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Stressinkontinenz: TVT-Operationen mit unterschiedlichen Komplikationen

Mittwoch, 19. Mai 2010

Birmingham – Eine Vergleichsstudie bescheinigt zwei unterschiedlichen Varianten der heute bevorzugten „Tension-free vaginal tape“- oder TVT-Operation nach einem Jahr eine gleich hohe objektive Effektivität, während viele Frauen „subjektiv“ weniger zufrieden waren. Nach der Publikation im New England Journal of Medicine (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMoa0912658) gibt es Unterschiede bei den Komplikationen.

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Bei der Stressinkontinenz können Husten, Lachen, Niesen, Laufen oder das Heben schwerer Sachen, kurz alles, was den intraabdominalen Druck ansteigen lässt, einen unwillkürlichen Harnabgang auslösen, was viele der betroffenen Frauen als sehr störend empfinden. Die Therapie ist allerdings nicht einfach.

Die konservative Behandlung gerät schnell an ihre Grenzen und die Ergebnisse der chirurgischen Interventionen waren in der Vergangenheit nicht immer von Dauer, was sich nicht zuletzt in einer erstaunlichen Vielfalt der Operationsverfahren widerspiegelt. In den letzten Jahren hat sich die TVT-Operation durchgesetzt. Sie ist weniger invasiv als frühere Operationen und wird zunehmend auch ambulant durchgeführt.

Bei der TVT-Operation wird ein Kunststoffband transvaginal unter den mittleren Abschnitt der Harnröhre gelegt. Die beiden freien Enden werden nach dem 1996 von Ulmsten vorgestellten Verfahren hinter dem Schambein, und dabei möglichst spannungsfrei „tension-free“ nach oben gezogen, wo sie von innen in der Bauchwand verwachsen.

Neben dieser „retropubischen“ TVT gibt es inzwischen auch eine „transobturatorische“ Variante, bei der die beiden Bandenden zur Seite durch das Foramen obturatum gezogen werden, was die Verletzungsgefahr für Blase oder Darm minimieren soll.

Im US-amerikanischen Trial of Mid-Urethral Slings wurden beide Verfahren an 597 Frauen miteinander verglichen. Alle Teilnehmerinnen hatten seit mindestens 3 Monaten über eine Stressinkontinenz geklagt und der Stresstest war auch bei mäßig gefüllter Blase positiv ausgefallen.

Wie Holly Richter von der University of Alabama in Birmingham jetzt auf der Jahrestagung des American College of Obstetrics and Gynecology in San Francisco mitteilte, waren beide Varianten gleich effektiv.

Als objektiver Erfolg wurde gewertet, wenn 12 Monate nach der Operation sowohl der Stresstest negativ ausfiel, als auch die 24-Stunden-Einlage keinen Harnabgang anzeigte. Selbstverständlich durfte auch keine erneute Operation erfolgt sein.

Diese Kriterien erfüllten im retropubischen TVT-Arm 80,8 Prozent und im transobturatorischen TVT-Arm 77,7 Prozent der Patientinnen. Der Unterschied war nicht-signifikant und wäre auch klinisch bedeutungslos gewesen.

Die Patientinnen waren etwas weniger zufrieden mit dem Ergebnis: Nur 62,2 Prozent im retropubischen TVT-Arm und 55,8 Prozent im transobturatorischen TVT-Arm gaben an, dass sie keine Stressinkontinenz mehr hätten. Diese Ergebnis liegen nach nur einem Jahr deutlich unter den Werten, die in früheren Studien berichtet wurden (etwa 74 bis 81 Prozent Erfolg nach 6 Jahren bei N. Kuuva et al. in Acta Obstet Gynecol Scand. 2006; 85: 482-7) und dies, obwohl die Operation von ausgewiesenen Experten durchgeführt wurde.

Außerdem lassen die Daten nach einem Jahr nur begrenzt Aussagen über den Langzeiterfolg zu, wie die Editorialistin Rebecca Rogers vom New Mexico Health Sciences Center in Albuquerque schreibt. Sie zitiert eine Studie, nach der ein Drittel der Frauen später einen zweiten operativen Eingriff benötigten (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMe1005367). Ob die TVT-Operationen diese Ergebnisse verbessern bleibt abzuwarten.

Interessante Unterschiede gab es im „Nebenwirkungsprofil“ der beiden Operationen: Schwere Komplikationen waren im retropubischen TVT-Arm mit 14 Prozent häufiger als im transobturatorischen TVT-Arm (6 Prozent). Es kam im retropubischen TVT-Arm häufiger zu Blasenperforationen und postoperativ zu Harnwegsinfektionen, während im transobturatorischen TVT-Arm vaginale Perforationen und neurologische Probleme wie Schwäche im oberen Bein häufiger waren. © rme/aerzteblatt.de

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