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Experten kritisieren: Psychopharmaka statt Therapie für Senioren

Freitag, 21. Mai 2010

Berlin – „Psychische Störungen bei älteren Menschen werden oft nicht erkannt und nicht fachgerecht behandelt“, kritisierte der Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV), Dieter Best.

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In diesem Bereich gebe es in Deutschland eine Fehlversorgung: Alte Menschen erhielten von ihren Hausärzten zunehmend Psychopharmaka ohne eine richtige Diagnose und zu selten eine Psychotherapie. „Dabei ist die Psychotherapie auch im Alter absolut wirksam, das ist überhaupt keine Frage“, sagte Best.

Um sowohl Betroffene und ihre Angehörigen als auch Allgemeinmediziner aufzuklären, hat die DPtV zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) die Broschüre „Wenn die Seele krank ist – Psychotherapie im höheren Lebensalter“ erarbeitet und heute in Berlin präsentiert.

Dass so selten eine Psychotherapie bei alten Menschen verschrieben werde, liege daran, dass Allgemeinmediziner für eine richtige Diagnose häufig keine Zeit hätten und auch nicht ausreichend ausgebildet seien, sagte Best. Zudem seien es alte Menschen nicht gewohnt, über ihre Gefühle zu sprechen. Am besten sei daher eine Überweisung zu einem Spezialisten.

Mit dem AOK-Bundesverband spreche die DPtV derzeit über ein Konsiliarverfahren, bei dem Hausärzte ihre Patienten bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung zu einem Psychotherapeuten überweisen, der dann eine Diagnose stellt und dem Hausarzt seinen Befund schickt. Auf diese Weise solle der Hausarzt entlastet  und die Patientenversorgung verbessert werden, so Best. Die DPtV will auch eine Fortbildung zu diesem Thema organisieren.

Wichtig sei zudem, Allgemeinmediziner und Pflegekräfte frühzeitig für psychische Erkrankungen zu sensibilisieren, sagte die BAGSO-Vorsitzende Ursula Lehr. „Dafür müssen wir schon in der Ausbildung ansetzen.“  

Best begrüßte die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, die Bedarfsplanung ändern und die Planungsbereiche kleinräumiger gestalten zu wollen. Das würde die Behandlung vor allem von psychisch kranken Kinder, Jugendlichen und alten Menschen verbessern. „Es ist aber absolut notwendig, dass dabei auch die Landespsychotherapeutenkammern mit einbezogen werden“, sagte Best. © fos/aerzteblatt.de

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