Sydney – Ältere Menschen, die sich häufig im Freien aufhalten, können ihr Sturzrisiko durch eine zusätzliche Fernsichtbrille deutlich senken. Dies ergab eine randomisierte Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: c2265). Senioren, die sich überwiegend in der Wohnung aufhalten, brauchen keine zweite Brille.
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Im Alter geht bei allen Menschen die Akkomodationsfähigkeit der Augenlinse verloren. Es kommt zur Alterssichtigkeit oder Presbyopie. Bifokal-, Trifokal- oder die seit einigen Jahren beliebten Gleitsichtbrillen können diese Funktion ersetzen. In vielen Lebensbereichen haben sie zweifellos Vorteile, etwa beim Fahren, Einkaufen und Kochen sowie bei anderen Tätigkeiten mit einem häufigen Wechsel zwischen Nah- und Fernfokussierung.
Die Multifokalbrillen haben aber auch Nachteile. Kontrast und die räumliche Wahrnehmung können eingeschränkt sein. Vor allem aber die unscharfe Fernsicht im unteren Bereich der Brille kann beispielsweise beim Treppensteigen oder Wandern schnell zu Fehleinschätzungen führen.
Die Gruppe um Stephen Lord von der University of New South Wales in Sydney hat deshalb untersucht, ob eine zusätzliche Fernsichtbrille das Sturzrisiko von Senioren senken kann. An der Studie beteiligten sich 606 Senioren mit einem erhöhten Sturzrisiko (Alter über 80, Stürze in der Eigenanamnese oder mehr als 15 Sekunden im „timed up and go“-Test).
Nach der Untersuchung durch einen Optiker erhielten 305 Senioren eine zusätzliche Fernsichtbrille, die sie immer dann tragen sollten, wenn sie das Haus verlassen sowie in allen ungewohnten Situationen. Sie wurden darüber aufgeklärt, wie Multifokalbrillen hier das Sturzrisiko erhöhen. Die andere Hälfte der Senioren wurde ebenfalls vom Optiker untersucht, erhielt aber keine Zweitbrille und keine Aufklärung über das Sturzrisiko.
Etwa die Hälfte der Teilnehmer der Interventionsgruppe berichtete später, dass sie mit der zusätzlichen Brille gut zurechtkäme und diese auch benutze. In den nächsten 12 Monaten kam es hier tatsächlich zu weniger Stürzen. Der Rückgang betrug jedoch nur 8 Prozent und war nicht signifikant.
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