Seattle – Eine antiretrovirale Therapie von HIV-Infizierten kann das Infektionsrisiko des Sexualpartners deutlich senken. In einer Beobachtungsstudie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60705-2) kam zu einem Rückgang um 92 Prozent.
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Auch unter Berücksichtigung dieses einen “Versagers” errechnet Deborah Donnell vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, dass die antiretrovirale Therapie die Übertragungsrate von 2,24 auf 0,37 pro 100 Personenjahre gesenkt hat, was einer Reduktion um 92 Prozent entspricht (Inzidenzrate 0,08; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,00-0,57).
Die Forscherin kann weiter zeigen, dass das Übertragungsrisiko für die Partner der nicht antiretroviral behandelten Studienteilnehmer vom Immunstatus (CD4-Zellzahl) und vermutlich auch von der Viruslast abhängt. Wie immer bei Beobachtungsstudien gibt es Unsicherheitsfaktoren: So war allen Studienteilnehmern zur Benutzung von Kondomen geraten worden. Die Adhärenz war im Verlauf der Studie gestiegen, was nicht ohne Auswirkung auf die Schutzwirkung geblieben sein dürfte.
Die Studie bestätigt die Ergebnisse einer systematischen Übersicht der Universität Bern. Die Autoren kommen dort zu dem Schluss, dass das Infektionsrisiko durch einen seropositiven Partner praktisch gleich Null ist, wenn dessen Viruslast auf unter 400 Kopien/ml gefallen ist, was unter der modernen antiretroviralen Therapie erreicht werden kann.
Das obere Ende des 95-Prozent-Konfidenzintervall betrug allerdings 1,27 Infektionen pro 100 Personenjahre, so dass ein Restrisiko nicht abgestritten werden kann (AIDS 2009; 23: 1397-404). Der Verzicht auf Kondome wird deshalb von Experten weiterhin kritisch betrachtet.
Der Editorialist François Dabis von französichen INSERM-Institut in Bordeaux sieht in der Studie ein Argument für einen möglichst frühen Beginn der antiretroviralen Therapie. Sie könnte das Ausbreiten der Erkrankung in Populationen vermindern (Lancet 2010 doi: 10.1016/S0140-6736(10)60838-0).
Mit dieser Frage beschäftigt sich auch der HPTN 052 Trial des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases. Dort werden HIV-diskordante Paare auf zwei Gruppen randomisiert. In einer beginnt der HIV-Infizierte mit der antiretroviralen Therapie, wenn die CD4-Zellzahl auf unter 250 abgefallen ist, wie dies heute üblich ist. In der anderen Gruppe wird die Therapie bereits ab einem CD4-Wert von 550 Zellen/µl begonnen. Erste Ergebnisse werden für 2014 erwartet.
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