Für die Untersuchung der Ebola-Viren ist ein Hochsicherheitslabor notwendig /dpa
Boston – US-amerikanische Forscher haben mittels der RNA-Interferenz, einer natürlichen Abwehrreaktion gegen Viren, einen der tödlichsten Krankheitserreger besiegt. Im Lancet (2010; 375: 1896-1905) berichten sie, wie Affen vor dem Ausbruch der Erkrankung geschützt wurden.
Die 1976 in Zaire entdeckten Ebola-Viren sind Auslöser eines hämorrhagischen Fiebers mit einer Case-Fatality-Rate von bis zu 90 Prozent. In Zentralafrika hat es in den letzten Jahrzehnten immer wieder kleinere Epidemien gegeben und auch in den Hochsicherheitslabors von Industrieländern sind vereinzelt Infektionen aufgetreten, zuletzt im März 2009 nach einer Nadelstichverletzung bei einer Forscherin des Bernard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.
Die Forscherin überlebte – vielleicht nur dank eines experimentellen Impfstoffes, den kanadische Forscher entwickelt haben. Eine andere Therapie, ebenfalls von kanadischen Forschern entwickelt, wurde jetzt am Army Medical Research Institute of Infectious Diseases in Fort Detrick/Maryland erfolgreich getestet. Sie nutzt einen biologischen Abwehrmechanismus aus, über den die meisten eukaryoten Zellen (Pflanzen, Pilze und Tiere) verfügen und für deren Erklärung Andrew Fire und Craig Mello 2006 einen Nobelpreis erhielten.
Mit der RNA-Interferenz werden gezielt Gene von Krankheitserregern ausgeschaltet (zum „Verstummen“ gebracht). Dies geht im Prinzip bei allen einzelsträngigen RNA-Viren, zu denen auch das Ebola-Virus gehört. Eine weitere Voraussetzung für einen sicheren Einsatz ist, dass sich die Gene stark von denen des Menschen unterscheiden, was beim Ebola-Virus bei der Erbinformation für das L-Protein der Fall ist.
Ohne dieses Enzym können sich die Viren nicht vermehren. Die US-Forscher haben Stücke dieses Gens (small interfering RNAs, siRNA) in Nanopartikel verpackt, die in der Lage sind, es in die infizierten Zellen zu transportieren. Dort kommt es dann zu einer körpereigenen Abwehr, die in der Lage ist, das tödliche Virus auszuschalten.
Anzeige
Den prinzipiellen Beweis für die Wirksamkeit erbrachten die Forscher in Experimenten an Rhesus-Affen. Eine erste Gruppe von drei Tieren wurde 30 Minuten nach der Exposition mit Ebolaviren mit den siRNA behandelt. Die Therapie wurde an drei weiteren Tagen wiederholt. In einer zweiten Gruppe wurden die Tiere an sechs aufeinander folgenden Tagen mit den “siRNAs” behandelt.
Zwei der drei Tiere der ersten Gruppe und alle vier Tiere der zweiten Gruppe überlebten die ansonsten auch bei Affen tödliche Infektion. Dabei wurde die Behandlung erstaunlich gut vertragen. Nur in der zweiten Gruppe kam es zu einem leichten Anstieg der Leberenzyme, die aber auch erstes Zeichen einer Ebola-Erkrankung gewesen sein könnten, wie die Gruppe um Thomas Geisbert von der Universität Boston vermutet.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.