Montréal - Eine Datenbank-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 2148-2155) zeigt, wie wichtig bei einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) die rasche Revaskularisierung der Koronararterie ist. Jede Verzögerung verschlechterte die Überlebenschancen der Patienten.
Die überragende Bedeutung des Zeitfaktors war bereits in den randomisierten klinischen Studien deutlich geworden, die in den letzten Jahrzehnten zunächst zur Fibrinolyse und später zur perkutanen koronaren Intervention (PCI) durchgeführt wurden.
Die Leitlinien setzen deshalb anspruchsvolle Zeitlimits. Vom Eintreffen des Patienten in der Klinik bis zum Beginn der Infusion des Fibrinolytikums sollen nicht mehr als 30 Minuten vergehen. Für die (heute bevorzugte) perkutane koronare Intervention (PCI) wird eine “door-to-ballon” Zeit von weniger als 90 Minuten gefordert.
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In den wesentlichen Endpunkten hatte das Überschreiten des Zeitlimits eine Verschlechterung der Prognose zur Folge. Die 30-Tages-Sterberate stieg von 3,3 auf 6,6 Prozent an (adjustierte Odds Ratio 2,14; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21-3,93).
Der kombinierte Endpunkt aus Tod oder einer erneuten stationären Behandlung wegen Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz stieg von 9,2 auf 15,0 Prozent (adjustierte Odds Ratio 1,57; 1,08-2,30). Das Sterberisiko nach einem Jahr stieg nicht-signifikant von 5,2 auf 9,3 Prozent (adjustierte Odds Ratio 1,61; 1,00-2,66).
Dies bedeutet: Gelingt es einer Klinik, die Zahl der Patienten, die innerhalb des Zeitlimits behandelt werden, um 10 Prozent zu steigern, dann sinkt die 30-Tages-Sterblichkeit um 20 Prozent (Odds Ratio 0,80; 0,65-0,98).
Nach Ansicht des Editorialisten Deepak Bhatt vom Brigham and Women's Hospital in Boston zeigen diese Zahlen nicht zuletzt, dass die Ergebnisse randomisierter Studien durchaus auf den Klinikalltag übertragbar sind. Eine gute Organisation der Behandlungsroutine in der Klinik hat einen direkten Einfluss auf die Überlebenschancen der Patienten.
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