Chicago – Durchbrüche sind in der Krebsbehandlung nur selten. Die wenigen Studien, in denen auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (Asco) in Chicago eine Verbesserung der Prognose der Patienten beschrieben wurde, beschränkte sich der Lebenszeitgewinn auf wenige Monate – teilweise mit erheblichen Mehrkosten.
Die US-Medien heben eine Phase-III-Studie des Herstellers Roche zu dem Angiogenese-Hemmer Bevacizumab hervor. Dieses universelle Krebsmedikament ist bereits zur Behandlung von Malignomen in Darm, Brustdrüse, Lunge, Niere und (in den USA) im Gehirn zugelassen.
Klinische Studien zu Prostata- und Magenkrebs sowie zum Non-Hodgkin-Lymphom hatten jedoch jüngst die Erwartungen enttäuscht. Jetzt deutet sich als weitere Indikation das fortgeschrittene Ovarialkarzinom an.
Die Studie GOG 0218 hatte 1.873 Frauen mit nicht vorbehandeltem Ovarialkarzinom nach der Operation auf Placebo oder eine Chemotherapie plus Bevacizumab randomisiert, wobei die Therapie mit dem kostspieligen Bevacizumab bei einem Teil der Patientinnen auf Dauer fortgesetzt wurden.
Unter dieser Erhaltungstherapie mit Bevacizumab lebten die Patientinnen noch 14,1 Monate gegenüber 10,3 Monate unter alleiniger Chemotherapie. Der Überlebensgewinn schlägt nach ersten Berechnungen mit mehr als 70.000 US-Dollar zu Buche.
Für Studienleiter Robert Burger vom Fox Chase Cancer Center in Philadelphia ist die Dauertherapie mit Bevacizumab dennoch eine Option. Bei einer Lebenszeitverlängerung stimmen in der Regel auch die Zulassungsbehörden einer Erweiterung der Indikation zu. Man darf auf die Stellungnahmen der Kostenträger gespannt sein (Abstract LBA1).
Beim Darmkrebs bleibt ein neuer Kostenschub erspart. Hier ist derzeit der monoklonale Antikörper Cetuximab eine teure Option für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom. In einer Phase-III-Studie im Stadium III der Erkrankung an Patienten mit normaler Aktivität des KRAS-Gens konnte Cetuximab die Ergebnisse gegenüber einem FOLFO6-Regime nicht verbessern (Abstract CRA3507).
Therapeutische Fortschritte gibt es dagegen beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Eine Standardtherapie ist hier derzeit die Androgen-Deprivationstherapie, die nach Ansicht von Padraig Warde vom Princess Margaret Hospital in Toronto künftig mit einer Bestrahlung kombiniert werden sollte.
Für die schätzungsweise 5 Prozent aller NSCLC-Patienten mit einer Veränderung im ALK-Gen könnte sich künftig auch eine Therapie mit dem ALK Inhibitor Crizotinib anbieten. In einer erweiterten Phase-I-Studie kam es bei 87 Prozent aller Patienten zu einer Verkleinerung des Tumors, wie Yung-Jue Bang und Mitarbeiter von der Universität Seoul berichtet. Der Hersteller hat bereits eine Phase-III-Studie begonnen (Abstract 3).
Der Versuch, Patienten, die ein NSCLC überlebt haben, durch die regelmäßige Gabe von Selen vor einem erneuten Lungenkrebs zu schützen, ist in einer Phase-III-Studie an 1522 Patienten gescheitert, wie Daniel Karp Daniel Karp, vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston eingestehen musste (Abstract 7004).
Einen neuen Ansatz in der Krebstherapie verfolgt der monoklonale Antikörper Ipilimumab. Er bindet an einem Rezeptor auf T-Zellen, was die körpereigene Krebsabwehr verstärkt. In einer Phase-III-Studie an 676 Patienten wurde Ipilimumab mit nicht resektablem malignen Melanom getestet.
Bei den Patienten war eine frühere Therapie mit Interleukin 2 oder Dacarbazin gescheitert. Die Patienten wurden mit Ipilimumab, der Krebsvakzine gp100 oder einer Kombination beider Therapien behandelt. Unter Ipilimumab lebten die Patienten im Durchschnitt 10,1 Monate, nach der Behandlung mit gp100 nur 6,4 Monate. Die Kombination verbesserte die Erbnisse von Ipilimumab nicht, wie die Gruppe um Steven O’Day von einem Forschungsinstitut in Los Angeles berichten.
Die Verträglichkeit von Ipilimumab wird als gut beschrieben: 10 bis 14 Prozent entwickelten allerdings schwere Nebenwirkungen wie einen Hautausschlag oder eine Colitis (Abstract 4).
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