London/Santa Monica – Zwei auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellte Studien könnten die Behandlung des Mammafrühkarzinoms für die betroffenen Frauen wesentlich schonender machen.
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Die gezielte intraoperative Radiotherapie erspart den Patientinnen nicht nur viele Wege zu den postoperativen Bestrahlungsterminen, sie war auch besser verträglich. Zu einer schweren Radiotoxizität (Radiation Therapy Oncology Group grade 3) kam es nur bei sechs Patientinnen (0,5 Prozent) gegenüber 23 Patienten (2,1 Prozent) unter der postoperativen Bestrahlung, wie aus der Publikation im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60837-9) hervorgeht.
Im Editorial zeigen sich auch die Radioonkologen David Azria, Montpellier, und Céline Bourgier, Villejiuf, beide in Frankreich, von der neuen Therapie überzeugt, auch wenn die Ergebnisse der korrespondierenden US-Studie noch nicht vorliegen (Lancet 2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60898-7). Eine gewisse Unsicherheit ergibt sich daraus, dass die Nachbeobachtungszeit von 4 Jahren noch etwas zu kurz ist, um eine spätere Häufung von Spätrezidiven völlig auszuschließen.
Die zweite Studie beschäftigte sich mit der Notwendigkeit einer axillären Lymphadenektomie bei jenen Frauen mit einem Mammafrühkarzinom, bei denen die Sentinel-Biopsie positiv ausgefallen ist. Normalerweise hat dies eine möglichst komplette Entfernung der axillären Lymphknoten zur Folge.
Armando Giuliano vom John Wayne Cancer Institute in Santa Monica/Kalifornien schlagen indes vor, es bei der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie zu belassen – in der Hoffnung, dass es die einzigen waren oder die begleitende adjuvante Chemotherapie die anderen vom Tumorbefall befreit. Vielen Frauen könnte dadurch ein postoperatives Lymphödem des Armes erspart bleiben.
Die gewagte Hypothese wurde in einer Studie an 991 Frauen mit T1- oder T2-Tumoren geprüft, bei denen ein oder zwei Sentinel-Lymphknoten positiv waren. Bei der Hälfte wurden mindestens zehn weitere axilläre Lymphknoten entfernt, in der Kontrollgruppe wurde darauf verzichtet. Alle Frauen erhielten eine Bestrahlung der Brust und einige eine adjuvante Chemotherapie, wenn ihr behandelnder Onkologe dies für notwendig erachtete.
Diesen Mut brachten nur die Hälfte der für die Studie ausgewählten Teilnehmerinnen und deren beratende Ärzte auf. Die anderen bestanden auf einer “definitiven” Therapie. Dies könnte wegen eines nie auszuschließenden Selektionsbias die Aussagekraft der Studie herabsetzten.
Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich die 5-Jahresüberlebensraten (91,9 Prozent mit und 92,5 Prozent ohne Lymphadenektomie) nicht unterschieden. Auch das krankheitsfreie Überleben (82,2 vs. 83,8 Prozent) und die Rate der lokalen/regionalen Rezidive waren (4,3 vs. 3,4 Prozent) war in etwa gleich.
Auch gegen diese Studie kann eingewendet werden, dass die Nachbeobachtungszeit noch recht kurz ist. Viele Gynäkologen dürften deshalb eine abwartende Haltung einnehmen, wie dies in der Vergangenheit immer wieder der Fall war, etwa beim Übergang von der Mastektomie auf die brusterhaltende Lumpektomie. Sicher ist indes, dass die beiden Studien in nächster Zeit Gegenstand heftiger Diskussionen sein werden.
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