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Offenbar massiver Betrug an Berliner DRK-Kliniken

Freitag, 2. Juli 2010

Berlin – Mehrere Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin sind am Mittwoch wegen des Verdachts des „banden- und gewerbsmäßigen ärztlichen Abrechnungsbetrugs“ in Millionenhöhe und der Körperverletzung durchsucht wurden. Die beiden Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft sowie der Chefarzt der Radiologie des Klinikums Mitte wurden verhaftet, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

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„Wir gehen davon aus, dass wir die Spitze eines Eisbergs vor uns haben”, sagte Oberstaatsanwalt Frank Thiel vor Journalisten. Nach einer anonymer Anzeige nahm die Polizei im vergangenen Jahr die Ermittlungen auf.

Laut Thiel liegen bislang Beweise für 128 Betrugsfälle und mehr als 50 Körperverletzungen vor. Gegen 24 Personen, die meisten von ihnen Mediziner, wird ermittelt. Der geschätzte Schaden belaufe sich bislang auf rund 170.000 Euro. „Wir haben aber konkrete Hinweise auf einen Schaden bis über eine Million Euro”, sagte Thiel.

Gegen die drei Hauptbeschuldigten besteht den Angaben zufolge der dringende Tatverdacht, dass seit 2005 von dafür nicht qualifizierten und nicht zugelassenen Assistenzärzten ärztliche Spezialleistungen erbracht und dann auf Weisung der Geschäftsführung über Fachärzte abgerechnet worden sein sollen.

Von der Durchsuchungsaktion am Mittwoch betroffen waren Objekte in den Stadtteilen Wedding, Charlottenburg und Köpenick. Außerdem wurden 22 Privatwohnungen durchsucht, darunter vier in Brandenburg.

Zugleich bestehe der Verdacht einer Vielzahl von Köperverletzungsdelikten, da teilweise Behandlungen mit körperlichen Eingriffen aus dem Bereich der Radiologie durch dafür nicht ausgebildete Ärzte ohne fachliche Aufsicht durchgeführt worden sein sollen, heißt es weiter. Außerdem sollten aus rein wirtschaftlichen Erwägungen medizinisch nicht erforderliche Doppeluntersuchungen vorgenommen worden sein.

Nach dem bisherigen Ermittlungsstand beläuft sich der durch den Betrug entstandene Schaden den Angaben zufolge derzeit auf einen siebenstelligen Betrag. Durchsucht wurden die drei DRK-Kliniken in Mitte, Westend und Köpenick, die Medizinischen Versorgungszentren an den Standorten Mitte und Westend, der Firmensitz der DRK-Kliniken GmbH in Berlin, eine Privat-Klinik in Mitte.

An den Aktionen, die am frühen Vormittag begonnen hatten und mittags noch andauerten, waren insgesamt 150 Polizisten und drei Staatsanwälte beteiligt. Die Ermittler stellten nach Polizeiangaben aus den betroffenen Einrichtungen mehrere Kartons mit Akten sicher, darunter Abrechnungsunterlagen. Auch Computer wurden beschlagnahmt. Bei den Festnahmen gab es keinen Widerstand.

Der Betrugsverdacht richte sich nicht gegen das Berliner Rote Kreuz, stellte ein Sprecher der Organisation klar. Träger der DRK-Kliniken sei die Schwesternschaft Berlin im Deutschen Roten Kreuz. In den von ihr betriebenen Krankenhäusern sind mehr als 3.400 Mitarbeiter beschäftigt. Damit gehört die Schwesternschaft eigenen Angaben zufolge zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt. © ddp/aerzteblatt.de

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