London – Eine im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: c2459) publizierte Studie belegt, dass das Krebsmedikament Avastin® in der Lage ist, die Sehleistung im fortgeschrittenen Stadium der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zu verbessern.
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Anders als Ranibizumab, das im Rahmen der Zulassung von Lucentis® in drei Phase-III-Studien mit rund 1.300 AMD-Patienten geprüft wurde, können sich die Ophthalmologen beim Einsatz von Bevacizumab nicht auf harte klinische Daten stützen. Auf internationaler Ebene werden derzeit die fehlenden Studien nachgeholt.
Die Ergebnisse einer ersten randomisierten und doppelt maskierten Studie liegen jetzt vor. An drei britischen Augenkliniken wurden 131 Patienten mit feuchter AMD auf Injektionen mit Bevacizumab oder eine Standardtherapie randomisiert. Die Standardtherapie bestand in der intravitrealen Injektion von Pegaptanib oder einer photodynamischen Therapie mit Verteporfin – hier gab es auch einen Placebo-Arm. Lucentis war bei Beginn der Studie noch nicht zugelassen.
Wie Adnan Tufail vom Moorfields Eye Hospital in London und Mitarbeiter berichten, war Bevacizumab der Standardtherapie klar überlegen. Nach einem Jahr hatten 32 Prozent der Patienten einen Gewinn von 15 oder mehr Buchstaben im Sehtest erzielt gegenüber nur 3 Prozent unter der Standardtherapie.
Auch der Anteil der Patienten, bei denen sich die Sehstärke nicht wesentlich verschlechterte, war unter Bevacizumab größer. Da zudem unter den 65 Patienten, die regelmäßige Bevacizumab-Injektionen erhielten, keine wesentlichen schweren Komplikationen auftraten, attestiert Tufail der Therapie eine Level-1-Evidenz.
Avastin ist seiner Ansicht nicht nur wesentlich kostengünstiger als Lucentis. Aufgrund der längeren Wirkdauer von Bevacizumab müsse die Therapie auch seltener wiederholt werden. In der Studie betrugen die Intervalle zwischen den intravitrealen Injektionen sechs Wochen. Für Lucentis sind monatliche Injektionen vorgesehen.
Ob Bevacizumab tatsächlich Vorteile gegenüber Ranibizumab hat, kann nur in direkten Vergleichsstudien gezeigt werden. Solange deren Ergebnisse nicht vorliegen, bleibt Usha Chakravarthy vom Royal Victoria Hospital in Belfast zurückhaltend. Eine offizielle Empfehlung für den Off-Label-Einsatz von Avastin könne derzeit noch nicht ausgesprochen werden, schreibt die Expertin im Editorial (BMJ 2010; 340: c2834).
Nach Auskunft von Tufail ist er jedoch eher die Regel als die Ausnahme. Umfragen der Fachverbände hätten ergeben, dass auch in den USA die meisten Augenärzte Avastin® aus Kostengründen vorziehen würden.
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