Reprogrammierte T-Zellen greifen Tumore an
Montag, 14. Juni 2010
Cambridge – Die Ausschaltung eines Gens verwandelt Thymuszellen in universelle „Krebskiller“-Zellen, die in einer tierexperimentellen Studie in Science (2010; doi: 10.1126/science.1188063) Melanommetastasen verhinderten.
In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass einige wenige zusätzliche Gene eine ausdifferenzierte Zelle (etwa aus einer Hautbiopsie) wieder in eine pluripotente Stammzelle reprogrammieren kann. Jetzt zeigen britische Wissenschaftler, dass auch der Weg in die andere Richtung möglich ist.
Die Gruppe um Pentao Liu vom Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge/England entfernte ein einzelnes Gen aus T-Zellen, woraufhin diese sich in natürliche Killer oder NK-Zellen verwandelten. Das sind Zellen, die auf den Angriff auf Tumorzellen spezialisiert sind.
Das Gen Bcl11b lenkt im Thymus die Entwicklung der T-Zellen. T-Zellen sind für die Abwehr von Viren zuständig, sie bekämpfen aber auch körperfremde Zellen oder solche, die sie dafür halten: T-Zellen sind für Abstoßungsreaktionen und Autoimmunerkrankungen verantwortlich.
Eine Untergruppe, die NK-Zellen, bekämpft Zellen, die sich durch ungewöhnliche Merkmale auf ihrer Oberfläche als Tumorzelle zu erkennen geben. Die Bedeutung dieser körpereigenen Krebsabwehr ist nicht zu unterschätzen, auch wenn Krebserkrankungen beim Menschen zu den häufigsten Todesarten im Alter zählen – wobei das Nachlassen der körpereigenen Immunabwehr eine Rolle spielen könnte.
Durch die Entfernung des Gens Bcl11b konnten Liu und Mitarbeiter die Fähigkeiten der NK-Zellen deutlich steigern, vielleicht entstand sogar eine völlig neue Zelle. Die Forscher bezeichnen sie als „Induced T to Natural Killer“ oder ITNK-Zellen. Diese Zellen zeigten erstaunliche Fähigkeiten.
In-vitro töteten sie zuverlässig Krebszellen ab, und im in-vivo-Experiment an Mäusen verhinderten sie die Aussaat von Melanomen weitgehend. Während die Forscher bei nicht behandelten Mäusen 200 Metastasen in der Lunge fanden, waren es bei den Mäusen, die ITNK-Zellen bildeten, nur etwa 20. Gleichzeitig sollen die ITNK-Zellen körpereigene Zellen nicht angegriffen haben.
Im Prinzip wäre der Therapieansatz auch beim Menschen möglich. Die T-Zellen könnten außerhalb des Körpers in ITNK-Zellen verwandelt und dann retransfundiert werden. Die Forschung befindet sich allerdings in einem sehr frühen Stadium. Die Voraussetzungen für klinische Studien, nämlich ausführliche präklinische Sicherheitsstudien, stehen noch aus. © rme/aerzteblatt.de
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