Duarte – US-Forscher haben bei vier Patienten eine autologe Stammzelltherapie, die zur Behandlung eines Non-Hodgkin-Lymphoms notwendig wurde, genutzt, um eine neuartige Gentherapie der HIV-Infektion zu erproben. Erste Ergebnisse wurden in Science Translational Medicine (2010: 2; 36ra43) vorgestellt.
Im letzten Jahr hatten Mediziner der Berliner Charité über einen Patienten berichtet, dessen HIV-Infektion durch eine allogene Stammzelltransplantation geheilt wurde (NEJM 2009; 360: 692-698). Die Stammzelltransplantation war zur Behandlung einer Leukämie durchgeführt worden und der Empfänger hatte das Glück, dass der Spender eine Deletion im Gen für den Chemokin-Rezeptor 5 (CCR5) hatte, über den die HI-Viren in die CD4-Zellen eindringen.
Nach der Therapie fehlten den HI-Viren die Eintrittspforte in die CD4-Zellen und die Infektionskette wurde auf Dauer unterbrochen. Da eine allogene Stammzelltransplantation (wegen der vorausgehenden ablativen Therapie) mit hohen Risiken verbunden ist, kommt sie als Heilversuch bei HIV nicht infrage.
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Auch die Behandlungsversuche an vier Aids-Patienten, über welche die Arbeitsgruppe um John Rossi vom City of Hope National Medical Center im kalifornischen Duarte berichtet, haben allein experimentellen Charakter. Die Patienten waren an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt.
Standardtherapie ist eine autologe Stammzelltherapie. Auch hier wird das alte blutbildende System des Knochenmarks durch eine ablative Therapie entfernt. Das Risiko ist etwas geringer als bei der allogenen Stammzelltherapie, da die Patienten ihre eigenen Stammzellen zurückerhalten. Dennoch würde man auch diese Therapie nicht an normalen HIV-Infizierten durchführen.
Wie der Berliner Patient (rein zufällig) erhielten auch die US-Patienten ein (teilweise) CCR5-freies Transplantat. Diese wurde durch eine genetische Modifizierung erreicht, die vor der Re-Transfusion im Labor an einem Teil der Stammzellen durchgeführt wurde. Die Forscher integrierten in das Erbgut der Zellen ein zusätzliches Gen. Es kodierte ein Ribozym, das in den Stammzellen (und allen aus ihnen abgeleiteten Blutzellen) die Bildung von CCR5-Rezeptor verhindert.
Damit nicht genug: Die Forscher versahen die Stammzellen mit zwei weiteren Genen, welche die Replikation des Virus hemmen. Die Wirkung ist im Prinzip die gleiche wie bei antiretroviralen Substanzen. Vereinfacht könnte man sagen, dass die modifizierten Stammzellen die HIV-Medikamente selbst bilden.
Aus ethischen Gründen durften die Forscher nicht alle Stammzellen modifizieren – es war nicht ausgeschlossen, dass dies den Erfolg der Lymphombehandlung oder – im Fall dass die Stammzellen absterben – das Leben der Patienten gefährdet. Nach der Therapie befanden sich im Blut der vier Patienten nebeneinander CD4-Zellen, die von HIV infizierte werden konnten, und solche, die durch die Genmanipulation resistent geworden waren.
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