Boston/Chapel Hill – Die konsequente antiretrovirale Therapie während der Schwangerschaft und der gesamten Stillzeit kann die Übertragung des HI-Virus auf das Kind weitgehend verhindern. Dies zeigen zwei randomisierte Studien im New England Journal of Medicine (NEJM).
Mehr als 90 Prozent aller HIV-Infektionen bei Kindern entfallen auf afrikanische Länder südlich der Sahara, wo 40 Prozent aller Infektionen während der Stillzeit erworben werden. Die übliche peripartale Prophylaxe mit Nevirapin plus einer einwöchigen Behandlung mit Zidovudin plus Lamivudin kann dies nicht verhindern.
Bislang wurde den Frauen zum Abstillen geraten, was aber in Entwicklungsländern keine realistische Option ist, da für eine Baby-Ersatznahrung meist das Geld fehlt und das Stillen als die wichtigste Maßnahme gegen die hohe Säuglingssterblichkeit angesehen wird. In der „Breastfeeding, Antiretrovirals and Nutrition Study“ (BAN) wurde untersucht, ob eine Behandlung der Mutter oder des Babys während der Stillzeit das Infektionsrisiko weiter senkt.
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Bei diesen günstigen Zahlen darf aber nicht übersehen werden, dass schon zu Beginn der Studie 5 Prozent der Säuglinge HIV-infiziert waren. Erfolgversprechender erscheint deshalb der Ansatz, den Roger Shapiro von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeiter in der Mma Bana Studie verfolgten, die in Botswana durchgeführt wurde.
Hier wurden die Mütter ab der 26. bis 34 Gestationswoche bis zum Ende der Stillzeit (sechs Monate nach der Geburt) behandelt. Mütter mit einer CD4-Zellzahl von mehr als 200/mm3 erhielten entweder eine Kombination aus den drei nukleosidischen Reverse-Trankriptase-Inhibitoren (NRTI) Abacavir, Zidovudin und Lamivudin oder eine Proteaseinhibitor-basierte Kombination mit Lopinavir und Ritonavir (plus Zidovudin und Lamivudin).
Mütter mit einer CD4-Zellzahl von weniger als 200/mm3 erhielten eine Standardkombination aus Nevirapin, Zidovudin und Lamivudin. In allen Gruppen erhielten die Kinder eine peripartale Prophylaxe wie in der BAN-Studie (wenn auch über 4 statt 1 Woche).
Alle drei Strategien waren erfolgreich. Von den 560 Kindern infizierten sich nur sechs in-utero und zwei weitere während der Stillzeit. Dies ergibt eine Mutter-Kind-Übertragungsrate von 1,1 Prozent, die niedrigste jemals in einer Studie erreichte Rate (NEJM 2010; 362: 2282-2294).
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