Modena – Patienten, die nach einer chemischen Verletzung der Hornhaut erblindet sind, können dank einer Stammzelltherapie wieder sehen. Die Erfinder des Verfahrens stellten im New England Journal of Medicine (2010; doi: 10.1056/NEJMoa0905955) jetzt ihre Langzeitergebnisse vor.
Die Transparenz der Cornea ist abhängig von der Struktur des Stromas und der Integrität des Epithels. Das Epithel wird regelmäßig von Stammzellen erneuert, die im Limbus, also der ringförmigen Übergangszone zur Konjunktiva, lokalisiert sind.
Wird der Limbus, etwa bei Verätzungen, zerstört, wird die Cornea bald von dem undurchsichtigen Epithel der Konjunktiva überzogen. Die Patienten erblinden. Die einzige Behandlungsmöglichkeit bestand bisher in einer Hornhauttransplantation. Vor 15 Jahren entwickelten Graziella Pellegrini und Michele De Luca, die heute an einem Zentrum für Regenerative Medizin an der Universität Modena arbeiten, eine autologe Stammzelltransplantation.
Die Therapie ist nur möglich, wenn ein Teil des Limbus unbeschädigt geblieben ist. Die Forscher entnehmen aus dem dortigen gesunden Gewebe eine kleine Probe, aus der sie die Stammzellen isolieren und im Labor vermehren.
Danach werden sie (nachdem das trübe Epithel entfernt wurde) in den gesamten Limbus-Kreis um die Hornhaut herum transplantiert. Wenn alles gut geht, wird die Cornea danach wieder von einem transparenten Epithel überzogen.
Die Forscher hatten ihr Verfahren bereits 1997 im Lancet vorgestellt (1997; 349: 990-93). Es blieb jedoch umstritten. Viele Ophthalmologen bezweifelten, dass die Therapie alleine in der Lage ist, die Transparenz wieder herzustellen. Diese Skepsis dürfte auch nach der Präsentation der Langzeitergebnisse (auf einer Tagung der International Society for Stem Cell Research in San Francisco) weiter bestehen.
Pellegrini und De Luca berichten über 113 Behandlungen, die sie zwischen 1998 und 2007 durchführten. Die meisten Patienten hatten sich Verätzungen durch Laugen oder Säuren, einige wenige durch Verbrennungen zugezogen. Bei neun von zehn war die Sehstärke auf das Zählen von Fingern herabgesetzt. Die Verletzungen lagen im Durchschnitt 18,3 Jahre zurück.
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Die Deutsche Opthalmologische Gesellschaft veröffentlichte im Februar dieses Jahres eine Stellungnahme, in der sie die Stammzelltherapie bei oberflächlichen Hornhautschäden als “gut etabliert” bezeichnet. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Stammzelltherapie in anderen Bereichen des Auges noch nicht über das experimentelle Stadium hinausgekommen sei.
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