München – Suchtmediziner kritisieren anlässlich des Weltdrogentages die suchtmedizinische Versorgung in Gefängnissen. „Im Vergleich zur suchtmedizinischen Versorgungslage außerhalb der Knastmauern ist die Versorgungslage in den Gefängnissen katastrophal“, sagte Hermann-Joseph Bausch-Hölterhoff, Medizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl. Nicht einmal die Hälfte aller Justizvollzugsanstalten (JVAs) böte überhaupt eine Substitutionstherapie an.
Dem Mediziner zufolge müssen 70 Prozent aller Ersatztherapie-Patienten diese bei Haftantritt abbrechen. „Auf der anderen Seite suchen sie nach Entlassung trotz etwaiger Substitution sofort wieder den Kontakt zur Szene“, so Bausch-Hölterhoff. Der Grund sei, dass Kassen oft die Kosten für eine weiterführende Therapie in Freiheit nicht oder nicht nahtlos übernähmen.
Dabei gelte die Substitutionstherapie zur Behandlung Drogenabhängiger längst als eines der wirksamsten Mittel, um der Sucht beizukommen. „Bei Behandlung von Drogensucht hat sich die Substitutionstherapie als beste Alternative erwiesen“, erklärte Bernd Weber, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS). Berufliche und gesellschaftliche Reintegration sei ohne Substitution kaum vorstellbar.
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