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Nosokomiale Infektionen: „Dramatische Zunahme“ multiresistenter Gram-negativer Erreger

Freitag, 25. Juni 2010

Köln – Einen großen Bedarf an Fortbildungsangeboten für Ärzte auf dem Gebiet der Antibiotika-Anwendung sieht der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Winfried Kern (Universitäts­klinik Freiburg). So würden zu häufig zu undifferenziert die inzwischen relativ kosten­günstigen Cephalosporine der dritten Generation angewandt.

„Wir brauchen mehr Firmen-unabhängige Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich, wenn uns Prävention wichtig ist“ sagte Kern beim 10. Kongress für Infektions­krankheiten und Tropenmedizin in Köln.

So ist aktuellen Studien zufolge die Verschreibung von Cephalosporinen der dritten Generation und von Fluorchinolonen mit dem Auftreten sogenannter extended-spectrum ß-Lactamase (ESBL)-positiven Keime assoziiert: Gram-negative aerobe Stäbchenbakterien, die nur noch für höchstens eine Gruppe bakterizid wirkender Antibiotika sensibel sind, so eine Definition von ESBL.

Die Verwendung von Cephalosporinen der dritten Generation verdoppele das Risiko für die Selektion von ESBL, die Anwendung von Fluorchinolonen vervierfache es, Händewaschen mit alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln dagegen verringere das Risiko für ESBL-Fälle um den Faktor sechs, zitierte Petra Gastmeier von der Charité Berlin eine Studie aus dem vergangenen Jahr. Die Forscher hatten die Einflussfaktoren für das Auftreten von ESBL innerhalb eines Monats für 1.000 Patiententage berechnet (Kaier K et al, JAC 2009; 63:609-14). 

Weltweit werden nosokomiale Infektionen durch ESBL häufiger, in Deutschland sei der Anstieg „dramatisch“ sagte Gastmeier: Die Rate der stationär erworbenen Infektionen mit ESBL-Escherichia coli hat sich in Deutschland zwischen 2001 und 2009 verzehnfacht, die der Infektionen mit multiresistenten Klebsiellen verdreifacht, berichtete Gastmeier.

Während deutschlandweit Methicillin-resistente Stämme von Staphylococcus aureus (MRSA) mit 4,2 bis 4,6 Isolaten pro 1.000 Patiententagen (pro Jahr in der Zeit von 2001 bis 2009) noch immer den weitaus größten Teil der nosokomialen Infektionen mit Antibiotika-resistenten Erregern ausmachen, verschiebt sich in einigen Kliniken das Spektrum deutlich: An der Charité Berlin waren 2009 bereits die Hälfte der Infektionen mit multiresistenten Erregern durch ESBL verursacht, erst an zweiter Stelle standen MRSA und auf Platz drei Vancomycin-resistente Enterobakterien, berichtete Gastmeier. 

Zu den vergleichsweise neuen Problemkeimen unter den Gram-negativen Keimen gehört Acinetobacter baumanii. Ein großer Teil (mehr als 50 Prozent) ist gegen Imi- und Meropenem unempfindlich, ein Teil auch gegen Carbapenem, mehr als 60 Prozent gegen Ceftazidim, Levofloxacin und Tobramycin.Wie bei anderen ESBL wirken dann oft nur noch  Tigecyclin und Colistin.

„Das Auftreten von Erregern, die Carbapenemasen bilden, muss als hygienischer Notfall bewertet werden“, sagte Kern. In Deutschland hat es in den vergangenen Jahren an einzelnen Kliniken Ausbrüche von A. baumanii mit Carbapenem-Resistenz gegeben.

Die Mortalität bei einer Infektion mit A. baumanii liegt für Patienten älter als sechzig Jahre bei mehr als vierzig Prozent. „Für die Bekämpfung Gram-negativer Erreger ist in den kommenden zehn Jahren nicht mit innovativen Substanzentwicklungen zu rechnen“, sagte Kern. „Tigecyclin und Colistin werden für diese Zeit vermutlich unsere Reserveantibiotika bleiben.“ © nsi/aerzteblatt.de

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promisit
am Montag, 28. Juni 2010, 09:15

Die Ursachen sind bekannt...

Antibiotika nur noch als Notfallmedizin in Human- und Veterinärmedizin, nicht mehr als Prophylaxe gegen Klagen von Patienten und auf keinen Fall mehr in der Tierzucht und -mast. Die Umsätze der Pharma werden sich drastisch gesundwachsen. Wäre aber für uns alle ohne Ausnahme gesünder....

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