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Medizin

Leberzirrhose: Shunt verhindert Varizenblutung

Freitag, 25. Juni 2010

Barcelona – Die frühzeitige Verlegung eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2010; 362: 2370-2379) die Überlebenschancen von Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose nach Ösophagusvarizenblutung deutlich verbessert.

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Jeder zweite Patient mit Leberzirrhose entwickelt im Verlauf der Erkrankung gastro-ösophageale Varizen, und Blutungen aus ihnen sind eine häufige Todesursache. Eine Möglichkeit, die portale Hypertension, die Ursache für die Varizenbildung, zu entlasten, ist die Anlage eines Shunts zwischen der Pfortader und einer abführenden Lebervene.

Bisher wird TIPS nur als letzte Möglichkeit eingesetzt, wenn es anders nicht gelingt, die Varizenblutung zu stillen. Die schnelle Umleitung des Blutes führt bei vielen Patienten zu einer unmittelbaren Blutstillung, doch die Sterblichkeit der Patienten ist weiterhin sehr hoch: Ein Drittel der Patienten stirbt innerhalb von 6 Wochen.

Deshalb hat die internationale Arbeitsgruppe um Juan Carlos Garcia-Pagan von der Universität Barcelona (unter Beteiligung mehrerer deutscher Kliniken) untersucht, ob ein frühzeitiger Einsatz von TIPS die Prognose der Patienten verbessern kann.

An neun Kliniken wurden 63 Patienten mit Leberzirrhose im Child-Pugh-Stadium C oder B in die Studie aufgenommen. Bei allen Patienten war es zuvor gelungen, eine Varizenblutung mit vasoaktiven Medikamenten und einer endoskopischen Behandlung (Ligatur oder Sklerotherapie) zu stoppen. Die eine Hälfte wurde medikamentös weiter behandelt, bei den anderen wurde innerhalb von 72 Stunden eine elektive TIPS durchgeführt. Wie erwartet, kam es nach der TIPS selten (einer von 32 Patienten) zu einer erneuten Blutung, gegenüber 14 Patienten unter primär medizinischer Therapie.

Wichtigstes Ergebnis ist, dass im ersten Jahr nach der elektiven TIPS nur 4 von 32 Patienten starben, in der Kontrollgruppe waren es dagegen 12 von 32 Patienten. Darunter waren vier von sieben Patienten, bei denen eine Notfall-TIPS durchgeführt werden musste.

Die Ein-Jahresüberlebensrate von 86 Prozent bei Patienten im Child-Pugh-Stadium C oder B ist für die Editorialisten Nezam Afdhal und Michael Curry vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston überaus erstaunlich.

Sie vermuten, dass die Bereitschaft vieler Patienten, den Alkoholabusus aufzugeben, hier eine Rolle gespielt haben könnte, was aber nichts an den günstigen Ergebnis der früheren TIPS-Behandlung ändert (NEJM 2010; 362: 2421-2422). © rme/aerzteblatt.de

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