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Arzneimittel-Atlas: Ausgaben für Medikamente steigen weiter

Mittwoch, 30. Juni 2010

Berlin – Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im Jahr 2009 um 1,5 Milliarden Euro und damit um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 30,7 Milliarden Euro angestiegen. Das geht aus dem Arzneimittel-Atlas 2010 hervor, den das Institut für Gesundheits- und Gesellschaftsforschung (IGES) im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) erstellt hat.

Im gleichen Zeitraum seien die GKV-Ausgaben für Krankenhäuser um 3,3 Prozent auf 56 Milliarden und für die ärztliche Behandlung um 6,6 Prozent auf 27,8 Milliarden gestiegen, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter des IGES, Bertram Häussler, bei der heute in Berlin. 

Entscheidend für den Ausgabenzuwachs seien der steigende medizinische Bedarf einer insgesamt alternden Gesellschaft und somit mehr verordnete Medikamente, erklärte Häussler. Laut Arzneimittel-Atlas führten zudem neue Arzneimittel zu 400 Millionen Euro Mehrausgaben im Jahr 2009.

Insbesondere durch die Verordnung von Generika infolge ausgelaufener Patente sowie durch eine häufigere Verordnung von kostengünstigeren Großpackungen wurden gleichzeitig etwa 300 Millionen Euro eingespart. 

Das IGES hat zudem untersucht, wie sich die Arzneimittelvereinbarungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen auf die tatsächlichen Verordnungen der Ärztinnen und Ärzte auswirken. „Die Einsparerwartungen sind regional äußerst unterschiedlich“, erklärte Häussler.

Im Jahr 2009 sollten die Berliner Ärzte zum Beispiel 122 Euro pro Patient und Jahr im Vergleich zum Vorjahr einsparen, ihre Kollegen in Rheinland-Pfalz lediglich 39 Euro. Bundesweit sollten sich die Einsparungen so auf insgesamt 4,1 Milliarden Euro summieren. Im Ergebnis wichen die Ist-Ausgaben jedoch in jeder KV von den Soll-Ausgaben ab. 

„Was auf den ersten Blick wie ein Ärzteversagen aussieht, ist das Resultat von unrealistischen Vorgaben“, sagte Häussler. Die Arzneimittelvereinbarungen führten zu regional sehr unterschiedlichen Einsparerfordernissen. Eine sachliche Begründung durch nachvollziehbare Einflussfaktoren lasse sich dabei nicht erkennen.

Zudem gebe es keinen Zusammenhang zwischen den erwarteten Einsparungen und den tatsächlich vorgenommenen Verordnungen der Ärzte, so Häussler. Es könne von den Ärzten auch nicht erwartet werden, dass sie 4,1 Milliarden Euro einsparen. Das sei schlichtweg nicht möglich. 

Einen Tag, nachdem das Kabinett den zweiten Teil des Arzneimittelsparpakets beschlossen hat, kritisierte der Vorsitzende des vfa, Wolfgang Plischke, erneut die Ausrichtung des Gesetzes: „Die aktuelle Gesundheitspolitik reagiert mit staatlichem Dirigismus statt mit zukunftsorientierter, nachhaltiger Innovationspolitik.“ Wenn es im Gesundheitswesen eng werde, traue die Politik der Staatsintervention immer noch mehr als der Marktlösung. 

Für den wettbewerblich inspirierten Teil der Neuordnung – die Direktverhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und Pharmaunternehmen – stimme jedoch die Richtung. Nur die Rolle des Spitzenverbandes sei bedenklich nah am Nachfragemonopol, kritisierte Plischke: „Hier bündelt sich künftig zu viel Macht im System.“ © fos/TB/aerzteblatt.de

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