Berlin – Gegen die von der schwarz-gelben Koalition geplante Beitragserhöhung in der Krankenversicherung formiert sich Widerstand in Wirtschaft, Opposition und Sozialverbänden. Die SPD warf Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Wochenende Versagen vor.
Auch die Zusatzbeiträge sollen steigen. Am Montag beraten die Parteigremien von Union und FDP über die Reform. Für Dienstag hat die Koalition eine endgültige Entscheidung angekündigt.
Union und FDP erwägen laut „Frankfurter Rundschau“, die Obergrenze für Zusatzbeiträge von einem Prozent des Einkommens auf zwei Prozent zu verdoppeln. Damit könnte eine Kasse künftig vom Versicherten bis zu 75 Euro statt bislang 37,50 Euro zusätzlich fordern. Der Betrag, bis zu dem es keine Einkommensprüfung gibt, könnte von 8 auf 12 oder 16 Euro klettern.
Die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger bestätigte dem „Focus“, dass die Zusatzbeiträge „weiterentwickelt“ werden sollten. Zugleich solle aber auch ein „automatischer steuerfinanzierter Sozialausgleich“ auf den Weg gebracht werden.
Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte ebenfalls, dass die Zusatzbeiträge angehoben werden sollen. „Endgültige Entscheidungen sind noch nicht gefallen, aber es geht in diese Richtung“, sagte Seehofer der „Bild am Sonntag“.
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Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, bezeichnete die Reformpläne als „Flop“ und „schlechtmöglichsten Kompromiss“. „Die Koalition gibt jeden Gestaltungsanspruch auf.“ Ihr falle nichts mehr ein, als die Abgaben zu erhöhen. Dies sei unsozial, weil es die kleinen Leute überproportional belaste.
Die Arbeitgeber warnen unterdessen vor einer Gefährdung des Aufschwungs am Arbeitsmarkt. „Steigende Lohnzusatzkosten wären das Gegenteil einer tragfähigen Reform“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann.
Er forderte die Regierung auf, an ihren Plänen für eine einkommensunabhängige „Kopfpauschale“ festzuhalten und die Leistungen der GKV zu begrenzen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erinnerte Union und FDP an ihre Zusage, die Arbeitskosten stabil zu halten. Er verwies darauf, dass Anfang 2011 bereits der Arbeitslosenbeitrag wieder steige.
Dagegen sprach sich die Linkspartei dafür aus, die Arbeitgeber noch deutlich stärker zu belasten. Eine Wiederherstellung der paritätischen Finanzierung brächte pro Jahr knapp zehn Milliarden Euro ein, argumentierte der Linke-Vorsitzende Klaus Ernst. Bisher zahlen die Arbeitnehmer 0,9 Prozentpunkte mehr. Ernst plädierte außerdem für ein einjähriges „Sonderopfer“ der Arbeitgeber von einem zusätzlichen Beitragspunkt.
Die Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte den drohenden Kaufkraftverlust für Ruheständler. „Höhere Kassenbeiträge sind schmerzhaft für die Rentner. Dadurch wird die Renten-Nullrunde zur Minusrunde.“ Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP), Wolfram-Arnim Candidus, nannte die Pläne der Koalition „Blödsinn“ und „eine vollkommene Fehlentscheidung“.
Der GKV droht 2011 ein Finanzloch von bis zu elf Milliarden Euro. Vier Milliarden Euro davon will die Koalition durch Einsparungen decken, den Rest durch höhere Beiträge.
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