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Medizin

Muttermilch ab dem vierten Lebensmonat nicht mehr ausreichend

Dienstag, 6. Juli 2010

Bonn – Nach vier bis sechs Monaten sollten stillende Mütter ihren Neugeborenen zusätzlich zur Muttermilch eine eisenreiche Kost anbieten, um einer frühkindlichen Eisenmangelanämie vorzubeugen. Das behaupten Wissenschaftler um Mathilde Kersting von der Universität Bonn. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Clinical Nutrition (doi: 10.1016/j.clnu.2010.05.002).

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Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie die Daten von 76 Kindern, vier, sieben und zehn Monate postnatal. Etwa 70 Prozent der Säuglinge war bis zu ihrem vierten Lebensmonat gestillt worden. Die anderen 30 Prozent hatten ab dem dritten Monat Milch aus Milchpulver erhalten.

Die künstliche Säuglingsmilch enthält mehr als die zehnfache Menge Eisen als Muttermilch. Neugeborene verfügen über Eisenreserven in der Leber, die jedoch nur bis zu ihrem fünften Lebensmonat ausreichen.

In beiden Gruppen begannen die Eltern nach dem vierten Monat damit, fleischhaltige Breinahrung zuzufüttern. Die Kinder in der Stillgruppe erhielten, parallel zu ihrer Fleischkost, weiterhin mindestens einmal täglich Muttermilch. Sie nahmen dementsprechend weniger Eisen auf, als die Kinder der Fertigmilch-Gruppe, die ihre eisenreiche Milch zu sich nahmen.

Ab dem siebten Lebensmonat zeigte sich in der Muttermilch-Gruppe bei etwa zehn Kindern ein Eisendefizit, in der Fertigmilch-Gruppe hingegen kein Eisenmangel.

Die Forscher betonten zwar, dass die Muttermilch in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für die Neugeborenen darstelle, spätestens nach dem vierten Lebensmonat sei jedoch eine zusätzliche eisenreiche Kost anzuraten, um einer Eisenmangelanämie vorzubeugen. © hil/aerzteblatt.de

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adonis
am Donnerstag, 8. Juli 2010, 12:57

Milupastudie?

Witzig ist schon einmal die "grosse" Zahl der untersuchten Personen. Die Publikationen der letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass kleine Zahlen zu erheblich falschen Rückschlüssen geführt haben. Dass man das dann noch "wissenschaftlich" nennt, erheitert mich.
Sicher bei manchen Untersuchungen geht es nur mit kleinen Zahlen, da einfach kein grösseres Material da ist. Ich gehe aber davon aus, dass es in D mehr als 76 Säuglinge gibt.
Also methodisch sehr schwach. Hat Milupa die Studie in Auftrag gegeben?
hwschy
am Donnerstag, 8. Juli 2010, 12:12

Interessenkonflikt, Ernährungsempfehlung

Die Autoren geben unter "sources of support" die "CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH i.L." sowie die "Hipp GmbH Vertrieb & Co." an. Gleich darunter heißt es unter "Conflict of interest": "All authors have no conflict of interest." Wie das? Es ist längst belegt, daß Autoren, auch wenn sie nur einen immateriellen Nutzen aus einer Studie ziehen (nämlich das wissenschaftliche Renommé), einer, und sei es
unbewußten, Verzerrung bei ihren Urteilen unterliegen. Selbstverständlich besteht hier ein ganz massiver Interessenkonflikt.

Ein ander Konfliktpunkt ist die aus der Studie abgeleitete Empfehlung, ab dem 5. Monat (nicht dem 4., wie man aus dem Kommentar entnehmen könnte), eisenhaltige Zusatznahrung zu verabreichen. Die Autoren geben - nicht überraschend - an, daß klinisch kein Unterschied zwischen den Gruppen feststellbar war.

Es wird hier der klassische Fehler begangen, einen Laborwert zu behandeln anstelle des Patienten. Erst wenn belegbar sein sollte, daß Morbidität und Mortalität unter den nur gestillten Kindern höher sind, kann eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen werden. Natürlich ist ein solcher Beleg nur mit erheblich höherem Aufwand zu führen, für den sich
vermutlich kein Sponsor finden wird. Das entbindet jedoch nicht von wissenschaftlicher Korrektheit.
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