Worcester/Gainesville – Eine Depression war unter Teilnehmern der Framingham-Studie mit einer signifikant erhöhten Rate von späteren Demenzerkrankungen assoziiert (Neurology 2010; 75: 35-41). In der Kohorte der Baltimore Longitudinal Study of Aging verdoppelten zwei oder mehr Episoden einer Depression das spätere Demenzrisiko (Neurology 2010; 75: 27-34).
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Dass Demenzerkrankungen mit einer Depression einhergehen, ist eine häufige klinische Beobachtung. Gerade im Frühstadium der Demenz sind depressive Verstimmungen eine verständliche Reaktion auf den zunehmenden Verlust kognitiver Fähigkeiten. Die meisten Mediziner deuten die Depression insofern als Folge der Demenz und nicht als deren Ursache.
Bei den Teilnehmern der beiden Kohorten ging die Diagnose der Depression der Demenz jedoch um viele Jahre voraus. Die mittlere Nachbeobachtungszeit in der Auswertung zur Framingham Heart Study beträgt 16 Jahre, in der Baltimore Longitudinal Study of Aging waren es sogar 24,7 Prozent. Beide Studien weisen auf ein erhöhtes Demenzrisiko nach Depressionen hin.
Jane Saczynski von der University of Massachusetts Medical School in Worcester ermittelte für depressive Teilnehmer die Framingham Heart Study eine Hazard Ratio von 1,72 auf eine Demenz und von 1,76 auf einen Morbus Alzheimer.
Die Ergebnisse änderten sich nicht, wenn die Verordnung von Antidepressiva als Hinweis auf eine Depression gedeutet wurde oder wenn Personen mit einer milden kognitiven Einschränkung (MIC, mild cognitive impairment) aus der Auswertung herausgenommen wurden.
Alter, Geschlecht, Ausbildung, Homozystein-Blutwert oder das Risikogen APOE 4 konnten als mögliche Erklärung für das Ergebnis ausgeschlossen werden. Saczynski fand sogar eine Dosis-Wirkung-Beziehung, die in Beobachtungsstudien ein wichtiger Hinweis für eine Kausalität ist: Jeder Anstieg der Depressivität um 10 Punkte auf der 60-Punkte CES-D-Skala (Center for Epidemiologic Studies Depression) erhöhte das Risiko einer späteren Demenzerkrankung um 46 Prozent und das Risiko eines Morbus Alzheimer um 39 Prozent.
Eine ähnliche Beziehung ermittelte Vonetta Dotson in der Baltimore Longitudinal Study of Aging. Hier war jede Episode einer Depression mit einem um 14 Prozent erhöhten Risiko einer späteren Demenz assoziiert. Bei zwei oder mehr Episoden war das Risiko sogar verdoppelt. Die Auswertung schloss allerdings Patienten mit MCI nicht aus und es fehlen Angaben zu möglichen Begleitfaktoren, die das Ergebnis verzerrt haben könnten.
Da die Unterscheidung zwischen Depressionen und Demenzen im Frühstadium nicht immer leicht fällt, sind Zweifel an der korrekten Eingangsdiagnose erlaubt. Wahrscheinlicher ist aber, dass beide Erkrankungen die gleichen Risikofaktoren haben.
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