Medizin

Allogene Stammzelltherapie bei aggressiver CLL erfolgversprechend

Dienstag, 6. Juli 2010

Heidelberg – Eine neue Variante der Stammzelltherapie bietet jenen Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) eine Heilungschance, bei denen die Standardtherapie versagt oder bei denen genetische Marker eine ungünstige Prognose anzeigen. In einer Pilotstudie der Deutschen CLL-Studiengruppe in Blood (2010; doi:10.1182/blood-2010-03-275420) war jeder zweite Patient auch vier Jahren nach Therapie ohne minimale Resterkrankung.

Bei den 90 Patienten der Studie CLL3X war eine B-Zell-CLL oder ein Morbus Waldenström diagnostiziert worden. Genetische Marker (z.B. Deletion 17p-) oder ein Stadium Binet C zeigten eine ungünstige Prognose an. Eine autologe Stammzelltherapie war gescheitert oder mangels eigener Stammzellen nicht möglich. Die Überlebenszeit dieser Patienten beträgt nach Einschätzung von Experten nur wenige Jahre.

Eine allogene Stammzelltransplantation ist bei geeignetem Spender eine Option, die in der Vergangenheit wegen der hohen Risiken selten gewagt wurde. Der Deutschen CLL Studiengruppe scheint es jetzt jedoch gelungen zu sein, die Sicherheit der Therapie durch eine dosisreduzierte Konditionierung zu verbessern.

Anzeige

Die Gesamtüberlebensrate nach 4 Jahren beträgt 85 Prozent, wie die Gruppe um Peter Dreger vom Universitätsklinikum Heidelberg mitteilt. Das ereignisfreie Überleben betrug 42 Prozent und die Mortalität ohne Rezidiv 23 Prozent.

Hervorgehoben wird die Tatsache, dass von den 52 Patienten, bei denen regelmäßige Messungen der CLL-Zellen im Blut durchgeführt wurden, 27 Patienten – also mehr als jeder zweite – bislang ohne Rezidiv geblieben ist. Dies lasse darauf hoffen, dass einige Patienten endgültig von der CLL geheilt sind, teilte Studienleiter Dreger gegenüber der Presse mit.

Die allogene Stammzelltransplantation bleibe aber eine sehr belastende und risikoreiche Therapieform. Die Gefahr für den Patienten gehe von der „Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion“ aus, bei der Spenderzellen die für sie fremden, körpereigenen Zellen des Patienten angreifen. Diese Reaktion sei auf der anderen Seite aber erwünscht, da über sie Leukämiezellen beseitigt würden.

Entscheidend sei, die übertragenen Spender-Immunzellen so zu steuern, dass die Wirkung stark genug sei, die Leukämiezellen zu eliminieren, aber nicht so stark, dass es zu Komplikationen an anderen Geweben oder Organen komme, erläutert Dreger. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

20.01.17
Boston – Die klonale Hämatopoese, eine im Alter häufig auftretende prämaligne Veränderung des Knochenmarks, könnte ein wichtiger Auslöser der Atherosklerose sein, an der viele Menschen im Alter......
20.01.17
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Bewertungsverfahren zu drei Varianten der Stammzelltransplantation bei multiplem Myelom unterbrochen und die Entscheidung über den möglichen......
17.01.17
Leukämie: Wissensdatenbank könnte Therapieplanung verbessern
Hinxton/Ulm – Eine Wissensdatenbank, die die genetischen Merkmale von Krebszellen mit den Behandlungsergebnissen früherer Patienten kombiniert, könnte die Therapieentscheidungen bei künftigen......
12.01.17
Diabetes: Wie Knochenbrüche besser heilen könnten
Palo Alto – Diabetespatienten, deren Knochen nach einem Bruch schlecht heilen, könnten Ärzte mit einem lokal applizierten Hydrogel helfen. Zumindest bei Mäusen mit Diabetes gelang es Forschern vom......
11.01.17
Blinde Mäuse reagieren wieder auf Licht mittels Retina-Transplantat
Kobe – Blinde Mäuse sollen dank eines Retina-Transplantats wieder Licht wahrnehmen können. Den Gewebeersatz haben die Forscher vom RIKEN Center for Developmental Biology in Japan aus induzierten......
29.12.16
Neuspenderrekord im Knochenmarkspender­register
Ulm – Noch nie sind in Deutschland so viele Stammzellspender zur Hilfe von Blutkrebs-Patienten registriert worden wie in diesem Jahr. Fast 814.000 Menschen ließen sich 2016 erstmals typisieren, wie......
19.12.16
Berlin/New York – Wie die Mechanismen der direkten Programmierung von Stammzellen für Zellersatztherapien eingesetzt werden könnten, haben Wissenschaftler aus Deutschland und den USA untersucht. Im......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige