Lumbalgie: Negativstudie zu Glucosamin
Montag, 19. Juli 2010
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| ddp |
Oslo – Die Einnahme von Glucosamin hat in einer randomisierten klinischen Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 45-52) Patienten mit chronischen Rückenschmerzen keine Linderung verschafft.
Glucosamine sind ein Baustein für die Synthese von Proteoglykanen, die Bestandteil der extrazellulären Matrix zum Beispiel des Gelenkknorpels ist. Daraus wird ein Einsatz bei Arthrosebeschwerden abgeleitet. Trotz zahlreicher Studien ist die Evidenz umstritten, auch wenn eine Cochrane-Übersicht Glucosaminen jüngst eine gewisse, wenn auch geringe Wirkung zugesteht.
Glucosamine werden zunehmend auch bei Rückenschmerzen beworben, wo sie das Facettensyndrom lindern und die Bandscheiben stabilisieren sollen. In den USA soll jeder vierte Patient mit chronischen Rückenschmerzen schon einmal Glucosamin probiert haben, was aber nicht belegt, dass die Therapie auch wirksam ist. Die Beweislage ist hier (noch) schlechter als bei der Osteoarthritis, berichtet der Chiropraktiker Philip Wilkens von der Universität Oslo, der jetzt die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie vorstellt.
250 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (Dauer länger als 6 Monate) nahmen über ein halbes Jahr täglich 1.500 mg Glucosamin oder ein Placebo ein. Primärer Endpunkt waren Verbesserungen im Roland Morris Disability Questionnaire (RMDQ), einem weit verbreiteten Fragebogen zur Erfassung chronischer Rückenschmerzen.
Die Behandlung mit Glucosamin senkte den RMDQ von 9,2 auf 5,0 Punkte und der Wert blieb auch 6 Monate nach dem Ende der Therapie noch erhalten. Die gleiche Wirkung wurde allerdings auch im Placebo-Arm erzielt.
Auch in sekundären Endpunkten zur Schmerzintensität in Ruhe oder in Bewegung und zur Lebensqualität hatte die Therapie mit Glucosaminen keine Vorteile gegenüber Placebo. Ihre Popularität dürfte nach Ansicht des Editorialisten Andrew Avins vom Northern California Kaiser-Permanent in Oakland auch darauf beruhen, dass die Ärzte vielen Patienten derzeit keine wirksame Therapie anbieten können.
Avins beklagt eine zu geringe Forschungsaktivität auf diesem Gebiet. Die Datenbank clinicaltrials.gov verzeichne gerade einmal 69 unabhängige Studien, von denen nur 20 derzeit Patienten rekrutieren würden (JAMA 2010; 304: 93-94).
© rme/aerzteblatt.de
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