San Francisco/Boston – Die im Alter sinkenden Testosteronspiegel könnten bei Männern kardioprotektiv sein. In einer Beobachtungsstudie waren hohe Testosteronspiegel mit einer erhöhten Rate von koronaren Ereignissen assoziiert. Und kürzlich musste eine randomisierte Studie zur Anwendung eines Testosteron-Gels aufgrund kardialer Komplikationen abgebrochen werden.
Darauf deuten die Ergebnisse der Osteoporotic Fractures in Men oder MrOS-Studie hin, die Kristen Sueoka von der Universität in San Francisco jüngst auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Endocrine Society in San Diego vorstellte.
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Zu erhöhten Hormonkonzentrationen im Blut kommt es natürlich auch nach einer Behandlung mit Testosteron. In der Testosterone in Older Men with Mobility Limitations oder TOM-Studie wurde die Dosis eines Testosteron-Gels so dosiert, dass das Gesamttestosteron auf über 500 ng/dl anstieg. Im Placebo-Arm lag die Konzentration bei 292 ng/dl.
Die Männer waren für die Teilnahme an der vom US-National Institute on Aging finanzierten Studie ausgewählt worden, weil sie niedrige Testosteronwerte hatten und weil ihre Mobilität aufgrund einer Sarkopenie deutlich einschränkt war: Vielen verließ beim Treppensteigen bereits nach 10 Stufen die Kraft.
Tatsächlich besserte sich die Kraftentwicklung unter der Testosterongabe. Dennoch musste die Studie Ende 2009 nach Einschluss von 209 Teilnehmern vorzeitig abgebrochen werden, wie die Gruppe um Shalender Bhasin von der Universität Boston im New England Journal of Medicine (NEJM 2010; 363:109-122) mitteilt.
Der Grund war eine Häufung von kardiovaskulären Ereignissen: Sie traten unter der Hormontherapie bei 23 der 106 Männer auf (darunter 10 kardiale Ereignisse) gegenüber 5 kardiovaskulären Ereignisse bei den 103 Teilnehmer im Placebo-Arm (darunter nur ein kardiales Ereignis).
Bhasin scheint mit der Entscheidung der Prüfkommission zum Studienabbruch nicht ganz einverstanden zu sein. Der Endokrinologe spricht von der Möglichkeit eines Zufallsergebnisses, obwohl das 2,4-fach erhöhte Risiko das Signifikanzniveau erreichte (p=0,05). Auch die Tatsache, dass jeder fünfte Teilnehmer unter der Testosterongabe erkrankte, wird heruntergespielt.
Es handele sich um eine geringe Anzahl von Ereignissen, die oft nicht gesichert seien. Dieser Nebensatz spielt darauf an, dass kardiovaskuläre Komplikationen kein geplanter Endpunkt der Studie war. Offenbar wurde nicht damit gerechnet.
Auch für den Editorialisten William Bremner ist das Thema Hormontherapie noch nicht beendet (NEJM 2010; 363: 189-191). Er fordert weitere Studien, die vielleicht im Stil der Women's Health Initiative durchgeführt werden sollten. Dabei bleibt unerwähnt, dass gerade diese Studie das Ende einer (unkritischen) Hormontherapie mit weiblichen Geschlechtshormonen bei postmenopausalen Frauen einleitete.
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