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Hypertonie: Patienten können Medikamente eigenständig dosieren

Montag, 12. Juli 2010

Birmingham – Die Einbeziehung der Patienten in die Therapie kann die Kontrolle einer arteriellen Hypertonie verbessern. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie im Lancet (2010: doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60964-6).

Im Telemonitoring and Self-Management of Hypertension Trial (TASMINH2) wurde die Hälfte der Patienten in die Therapie eingebunden. In zwei Schulungen lernten sie, wie sie ihr Blutdruckmessgerät bedienen und wie sie die gemessenen Werte per Modem an das Studienzentrum weiterleiten können.

Dies geschah über ein Modem, das mit dem Blutdruckmessgerät verbunden und wie ein Anrufbeantworter an eine herkömmliche Telefonbuchse angeschlossen war. Die Beteiligung der Patienten beschränkte sich allerdings nicht nur auf die Kontrolle der Blutdruckwerte.

Sie durften auch die Dosierung der Medikamente ändern. Dies geschah nach einem Plan, den die einzelnen Hypertoniker vorher mit ihrem Hausarzt erarbeitet hatten und den sie danach ohne weitere Rücksprachen umsetzten.

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Ein Ampelsystem half die Patienten dabei: Es signalisierte „grün“, wenn die gemessenen Werte unter dem Zielwert, aber über der einer vordefinierten Sicherheitsgrenze lagen. War der Blutdruck innerhalb der Sicherheitsgrenze erhöht, erhielt der Patient ein „gelbes“ Ampelsignal. Als „rot“ wurde jeder Wert außerhalb der Sicherheitsgrenzen eingestuft.

Bei „rot“ mussten die Patienten den Hausarzt konsultieren, bei „gelb“ durften sie selbst tätig werden. Dies war der Fall, wenn die Ampel an zwei aufeinanderfolgenden Monaten über vier oder mehr Tage auf „gelb“ gesprungen war. Dann konnten und sollten die Patienten ohne Rücksprache mit dem Hausarzt, aber nach einem mit diesem verabredeten Plan die Dosis der Medikamente ändern.

Erst wenn der Blutdruck auch nach zwei Dosisänderungen immer noch im gelben Bereich war, sollten die Patienten erneut ihren Hausarzt aufsuchen, um einen weiteren Titrationsplan aufzustellen. Monatliche Zusammenfassungen der jeweiligen Blutdruckmesswerte wurden den Hausärzten übermittelt. Patienten mit Internet-Zugang konnten ihre eigenen Messwerte auf einer zugeordneten Seite nachverfolgen.

Die Einbeziehung der Patienten war tatsächlich in der Lage, die Blutdruckkontrolle zu verbessern. Wie Richard McManus und Kollegen von der Universität Birmingham berichten, sank der mittlere systolische Blutdruck in der Gruppe mit eigenständiger Blutdruckkontrolle während der 6-monatigen Studiendauer um 12,9 mm Hg.

In der Kontrollgruppe, in der die Dosisanpassung in der Praxis des Hausarztes erfolgte, wurde der systolische Blutdruck nur um 9,2 mm Hg gesenkt. Nach 12 Monaten war der systolische Blutdruck in der Gruppe mit eigenständiger Blutdruckkontrolle um 17,6 mm Hg gesunken gegenüber einem Rückgang um 12,2 mm Hg in der Kontrollgruppe.

Die Häufigkeit der Nebenwirkungen war in beiden Gruppen gleich. Nur (ödematöse) Schwellungen an den Beinen traten in der Gruppe mit eigenständiger Therapie häufiger auf (32 vs. 22 Prozent). Für McManus belegt die Studie, dass Patienten mit einer unkomplizierten Hypertonie durchaus in die Therapie einbezogen werden können, er räumt allerdings ein, dass nicht alle Patienten dafür geeignet sind.

Wenn aber nur jeder fünfte Hypertoniker für die Mitarbeit motiviert werden könne, wären dies wegen der großen Prävalenz der Hypertonie etwa 4 Prozent der britischen Bevölkerung oder mehr als 2 Millionen Menschen, so McManus. © rme/aerzteblatt.de

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