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Vitamin-D könnte vor Demenz und Parkinson schützen

Dienstag, 13. Juli 2010

Exeter/Helsinki – Zwei Beobachtungsstudien bringen niedrige Vitamin D-Werte mit einem beschleunigten kognitiven Abbau im Alter oder einer Parkinsonerkrankung in Verbindung. Daraus kann allerdings nicht geschlossen werden, dass die beiden häufigen neurologischen Erkrankungen durch eine Vitamin D-Substitution verhindert oder gelindert werden könnten.

Vitamin D ist nur in wenigen Nahrungsmitteln in ausreichender Menge enthalten, sodass die meisten Menschen mehr oder weniger auf die Synthese durch UV-Licht in der Haut angewiesen sind. Die Fähigkeit nimmt im Alter ab, weshalb auch viele ältere Menschen in der sonnigen Toskana niedrige Vitamin-D-Konzentrationen haben.

Und dieser relative Vitamin D-Mangel war bei den Teilnehmern der InCHIANTI-Studie, Senioren aus zwei Ortschaften der Region Chianti, zu 60 Prozent häufiger mit schlechten Ergebnissen im MMSE (Mini-Mental State Examination), einem Standardtest für Demenzerkrankungen, assoziiert.

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Auch die mentale Schnelligkeit, gemessen im Trail Making Test B war zu 31 Prozent häufiger verlangsamt, während im Trail Making Test A, der die mentale Flexibilität bestimmt, keine Assoziation mit der Vitamin D-Konzentration feststellbar war, wie David Llewellyn von der Universität in Exeter und Mitarbeiter in den Archives of Internal Medicine (2010; 170: 1135-1141) berichten.

Die InCHIANTI-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie, die eine Gruppe von Senioren seit 1998 begleitet. Wie bei allen Beobachtungsstudien sind die Ergebnisse anfällig gegenüber Verzerrungen. Sie könnten sich daraus ergeben, dass Menschen mit einem schlechteren Gesundheitszustand sich seltener im Freien aufhalten und deshalb weniger Vitamin D “tanken”.

Die Editorialisten Andrew Grey und Mark Bolland von der Universität in Auckland haben in der Publikation so auch einige Hinweise auf mögliche “bias” ausgemacht, die ihrer Ansicht die Schlussfolgerung sehr infrage stelle, dass der Vitamin-D-Mangel für den kognitiven Rückgang verantwortlich ist (Archives of Internal Medicine 2010; 170: 1099-1100). Klären ließe sich dies nur durch eine randomisierte Interventionsstudie, die auch von den Autoren als nächster Schritt gefordert wird.

Dieser Einwand kann auch für eine weitere Kohortenstudie in den Archives of Neurology (2010; 67: 808-811) erhoben werden. Diese bringt niedrige Vitamin-D-Werte mit einem erhöhten Rate von Parkinson-Erkrankungen in Verbindung.

Im Rahmen der Mini-Finland Health Survey waren in den Jahren 1978 bis 1980 bei mehr als 300 Personen Blutproben entnommen worden. Paul Knekt vom National Institute for Health and Welfare in Helsinki und Mitarbeiter setzen die Vitamin-D-Konzentration mit dem Auftreten von späteren Parkinsonerkrankungen in Beziehung.

In den Archives of Neurology (2010; 67: 808-811) berichten die Forscher, dass im Quartil mit dem höchsten Serumkonzentrationen in den 29 Jahren der Nachbeobachtung 67 Prozent weniger Menschen an einem Morbus Parkinson erkrankten als im Quartil mit den niedrigsten Werten.

Die Ergebnisse bestätigen tierexperimentelle Studien, die eine protektive Wirkung von Vitamin D postulieren. Im Gehirn wurden Rezeptoren für das Hormon gefunden, die derartige Effekte plausibel erklären würden. Dennoch warnt die Editorialistin Marian Leslie Evatt von der Emory University vor einem voreiligen Handeln.

Die Vitamin D-Versorgung sei in Finnland prekärer als in anderen Ländern und die tierexperimentellen Studien würden auch zeigen, dass zu hohe Vitamin D-Spiegel schaden können. An der Emory Universität wurde jedoch bereits mit einer klinischen Pilotstudie begonnen, in der Parkinson-Patienten versuchsweise mit Vitamin D behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

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