Exeter/Helsinki – Zwei Beobachtungsstudien bringen niedrige Vitamin D-Werte mit einem beschleunigten kognitiven Abbau im Alter oder einer Parkinsonerkrankung in Verbindung. Daraus kann allerdings nicht geschlossen werden, dass die beiden häufigen neurologischen Erkrankungen durch eine Vitamin D-Substitution verhindert oder gelindert werden könnten.
Vitamin D ist nur in wenigen Nahrungsmitteln in ausreichender Menge enthalten, sodass die meisten Menschen mehr oder weniger auf die Synthese durch UV-Licht in der Haut angewiesen sind. Die Fähigkeit nimmt im Alter ab, weshalb auch viele ältere Menschen in der sonnigen Toskana niedrige Vitamin-D-Konzentrationen haben.
Und dieser relative Vitamin D-Mangel war bei den Teilnehmern der InCHIANTI-Studie, Senioren aus zwei Ortschaften der Region Chianti, zu 60 Prozent häufiger mit schlechten Ergebnissen im MMSE (Mini-Mental State Examination), einem Standardtest für Demenzerkrankungen, assoziiert.
Auch die mentale Schnelligkeit, gemessen im Trail Making Test B war zu 31 Prozent häufiger verlangsamt, während im Trail Making Test A, der die mentale Flexibilität bestimmt, keine Assoziation mit der Vitamin D-Konzentration feststellbar war, wie David Llewellyn von der Universität in Exeter und Mitarbeiter in den Archives of Internal Medicine (2010; 170: 1135-1141) berichten.
Die InCHIANTI-Studie ist eine prospektive Beobachtungsstudie, die eine Gruppe von Senioren seit 1998 begleitet. Wie bei allen Beobachtungsstudien sind die Ergebnisse anfällig gegenüber Verzerrungen. Sie könnten sich daraus ergeben, dass Menschen mit einem schlechteren Gesundheitszustand sich seltener im Freien aufhalten und deshalb weniger Vitamin D “tanken”.
Die Editorialisten Andrew Grey und Mark Bolland von der Universität in Auckland haben in der Publikation so auch einige Hinweise auf mögliche “bias” ausgemacht, die ihrer Ansicht die Schlussfolgerung sehr infrage stelle, dass der Vitamin-D-Mangel für den kognitiven Rückgang verantwortlich ist (Archives of Internal Medicine 2010; 170: 1099-1100). Klären ließe sich dies nur durch eine randomisierte Interventionsstudie, die auch von den Autoren als nächster Schritt gefordert wird.
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