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Medizin

Nierenversagen: Krankheits-Gen schützt vor Tropenkrankkeit

Freitag, 16. Juli 2010

Boston – Zwei Genvarianten, die die Anfälligkeit auf Nierenerkrankungen erhöhen, schützen die Träger vor Infektionen mit Trypanosoma brucei, dem Erreger der tropischen Schlafkrankheit. Dies könnte laut einer Studie in Science (2010; 10.1126/science.1193032) erklären, warum die Gene unter Menschen afrikanischer Herkunft stark verbreitet sind.

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Dass Krankheitsgene einen Selektionsvorteil bieten können, ist von der Sichelzell-Anämie her bekannt. Der Gendefekt ist in Afrika verbreitet, da die Träger vor einer Malaria relativ geschützt sind. Eine ähnliche Situation könnte bei den beiden Varianten G1 und G2 des Gens APOL1 vorliegen. Monozygote Träger der Genvarianten haben ein zehnfach erhöhtes Risiko, an einer fokal segmentalen Glomerulosklerose oder einem hypertoniebedingten Nierenversagen zu erkranken.

Diese Krankheiten treten bei Amerikanern afrikanischer Herkunft besonders häufig auf und der Nephrologe Martin Pollak vom Beth Israel Deaconess Medical Center kann nachweisen, dass diese Patienten besonders häufig Träger der beiden Varianten sind: G1 wurde bei 52 Prozent der Glomerulosklerose-Patienten, aber nur 18 Prozent der Kontrollen nachgewiesen. G2 ist bei den Nierenkranken ebenfalls zu 50 Prozent häufiger.

Beide Varianten verändern laut Pollak den Aufbau des APOL1-Proteins. Es ist im Blut nachweisbar, wo es offenbar an der Abwehr von Trypanosomen beteiligt ist. Diese Parasiten können den Menschen nur befallen, weil sie ein Protein bilden, dass APOL-1 ausschaltet. Dies gelingt ihnen infolge der durch G1 oder G2 veränderten Struktur von APOL1 nicht mehr.

Eine Analyse des 1.000-Genom-Projekts zeigt, dass Angehörigen des Volksstamms der Yoruba zu 38 Prozent Träger der G1- und zu 8 Prozent Träger der G2-Variante sind. Bei Europäern oder Asiaten treten diese Varianten niemals auf.

Pollak schätzt, dass die Genvarianten sich erst in den letzten 10.000 Jahren stark ausbreitetet haben. Möglicherweise ging dem eine Mutation bei den Trypanosomen voraus, welche diese erst für den Menschen infektiös machten.

Pollak kann in Laborversuchen zeigen, dass die veränderten APOL1-Proteine die Trypanosomen abtöten. Einziger Schönheitsfehler: Die beiden Varianten waren nur gegen Trypanosoma brucei rhodesiense wirksam, der in Ostafrika verbreitet ist. Die Yoruba leben aber in Westafrika.

Dort wird die Schlafkrankheit von Trypanosoma brucei gambiense übertragen und gegen diese waren die beiden Varianten des APOL1 im Labor nicht wirksam. Jetzt wollen die Forscher die Verbreitung der Genvarianten in Ostafrika untersuchen.

Das veränderte APOL1-Protein käme übrigens als Therapieansatz gegen die Schlafkrankheit infrage - aus pathogenetischen Überlegungen heraus müsste aber mit Nierenschädigung als möglicher Nebenwirkung gerechnet werden. © rme/aerzteblatt.de

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