Wien/Vancouver – Die Zahl der HIV-Infizierten, die eine Therapie erhalten, ist global gestiegen. Dies belegen neueste Zahlen, die auf der XVIII. Internationalen AIDS-Konferenz in Wien vorgestellt wurden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Ausweitung der Therapieindikation auf höhere CD4-Zellzahlen. Erfahrungen aus Kanada zeigen, dass mit der Zahl der behandelten Patienten das Übertragungsrisiko zurückgehen kann.
Im letzten Jahr wurden 5,2 Millionen HIV-Infizierte mit Medikamenten zur hochaktiven antiretroviralen Therapie versorgt. Das sind nach Schätzungen der WHO 1,2 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Die Zahlen müssen weiter steigen, um die hohe Mortalität zu senken, doch nach den neuen Empfehlungen der WHO sollte die Therapie auch früher beginnen.
Statt wie bisher abzuwarten, bis die CD4-Zellzahlen auf unter 200/mm3 abgefallen sind, soll die Therapie jetzt bereits ab einer Zellzahl von 350/mm3 begonnen werden. Das Ziel ist dabei nicht allein die Verbesserung der Prognose der Infizierten.
Eine epidemiologische Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60936-1) zeigt, dass durch die Ausweitung der Therapie auch die Zahl der Neuinfektionen eingeschränkt werden kann.
Julio Montaner vom BC Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver und Mitarbeiter berichten, dass die Zahl der HIV-Infizierten, die in der kanadischen Provinz British Columbia (BC) eine HAART durchführen, zwischen 1996 und 2009 um mehr als das Fünffache gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Zahl der Neudiagnosen um mehr als die Hälfte gefallen.
Dieser Rückgang vollzog sich in drei Phasen. In der ersten Phase von 1996 bis 1999 wurde die damals neu entwickelte Therapie allen Infizierten mit fortgeschrittener Immunschwäche angeboten. Die Zahl der Neuerkrankungen ging während dieser Zeit um 40 Prozent zurück.
In den Folgejahren 2000 bis 2003, in der die Zahl der Behandelten konstant war, kam es zu einer Stagnation – die Zahl der Neudiagnosen nahm sogar geringfügig zu.
Ab 2004 wurde die Indikation zu HAART auf Patienten mit einem geringeren Abfall der CD4-Zellzahlen ausgeweitet, was, wie die Autoren nachweisen können, einen erneuten Rückgang der Neudiagnosen um 23 Prozent zur Folge hatte.
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