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Hausärzteverband startet Kampagne gegen Sparpläne

Donnerstag, 22. Juli 2010

Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband hat am Mittwoch eine bundesweite Kampagne gegen die geplante Honorarkürzung der Hausarztverträge gestartet. Mit Plakaten und Informationsveranstaltungen sollen Versicherte und Patienten über die Folgen einer „ökonomischen Aushöhlung der hausarztzentrierten Versorgung“ aufgeklärt werden, wie Ulrich Weigeldt in Berlin ankündigte.

„Am 15. September wird es einen Aktionstag in Praxen in ganz Deutschland geben mit Informationsveranstaltungen zur hausarztzentrierten Versorgung.“  Darüber hinaus wird „in verschiedenen Regionen die Aktion ‚Sicher ist sicher‘ zum Tragen kommen“, sagte Weigeldt. Dabei wollen Hausärzte ihre Patienten verstärkt an Fachärzte und Krankenhäuser überweisen.

Dies soll die Konsequenzen verdeutlichen, die das Fehlen einer hausärztliche Versorgung für den Patienten und die Kosten hätte. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, um in Verhandlungen mit dem Bundesgesundheitsministerium oder dem Kanzleramt zu treten, seien auch Streiks nicht auszuschließen. „Wenn die Gesprächsbereitschaft nicht in Gang kommt, kann es in verschiedenen Regionen auch zu Praxisschließungen kommen“, betonte  Weigeldt. 

Das Gesundheitsministerium wies die Protestankündigung als „völlig inakzeptabel“ und „unangemessen – sowohl im Inhalt als auch im Stil“ zurück. Es müsse bei der Medizinervergütung gerecht zugehen, auch unter den Hausärzten, erklärte die Parlamentarische Gesundheitsstaatssekretärin, Annette Widmann-Mauz (CDU).

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Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn kritisierte, der Verband vergreife sich im Ton und präsentiere „unglaubwürdiges Gejammer“. Die FDP-Gesundheitspolitikerin Ulrike Flach mahnte, die Mediziner dürften die Debatte nicht auf dem Rücken der Patienten austragen.

Hauptgeschäftsführer des Hausärzteverbands, Eberhard Mehl, machte deutlich, dass ab 2011 auch ein Systemausstieg der Hausärzte denkbar sei und das Korbmodell wieder eröffnet werden würde, wenn die anderen Aktionen bis dahin keinen Erfolg gehabt hätten. „Das muss die Politik dann aber verantworten, wenn sie den Hausärzten keine andere Wahl lässt“, so Mehl.

Anlass für die Kampagne ist die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler, die Honorare der Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung nach Paragraf 73b des fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) auf das Niveau der Regelversorgung zu senken.

Der Hausärzteverband kritisierte die Sparmaßnahme als Mogelpackung, die zu höheren Beiträgen, weniger Hausärzten und schlechterer medizinischer Versorgung führe. „Durch Selektivverträge ist erstmals in Deutschland eine integrierte Versorgung möglich“, sagte Mehl. „Die Regierung macht die kaputt und führt uns zurück in die 90er-Jahre. Wir brauchen dann nicht mehr streiken oder Praxen schließen – es wird schlicht keine jungen Ärzte und Ärztinnen mehr geben, die die Versorgung übernehmen wollen.“

Weigeldt kritisierte, dass die zusätzlichen Ausgaben durch die Hausarztverträge überbewertet würden. „Dass Honorarsteigerungen in das KBV-System gekippt werden, ohne dass wir einen spürbaren Effekt haben, nehmen wir einfach so hin.“ Die Investitionen in Hausarztverträge, die mehr Service und eine bessere Versorgung brächten, würden jedoch bemängelt. „Dabei zeigen die Erfahrungen im Ausland und in Baden-Württemberg, dass man am Ende eine schwarze Null schreibt“, sagte Weigeldt.

Der MEDI-Verbund, der NAV-Virchow-Bund und der Bundesverband der Ärztegenossenschaften unterstützen die Kampagne.  „Wir haben die Sorge, dass mit dem Aus der Hausarztverträge auch das Aus für die Facharztverträge vor der Tür steht“, erklärte der Vorsitzende des MEDI-Verbunds, Werner Bäumgärtner. „Denn mit den normalen Regelleistungsvolumen besteht keine Chance, dass Ärzte in einen Hausarztvertrag gehen, der in der Praxis mehr Aufwand bedeutet.“

Der Vorsitzende des Hartmannbunds, Kuno Winn, warnte vor einer Eskalation der Auseinandersetzung: „Niemand kann Interesse an einer Schwächung der hausärztlichen Versorgung haben. Deshalb brauchen wir eine tragfähige Lösung.“

Er forderte die Bundesregierung dazu auf, klarzustellen, dass sogenannte Add-on-Verträge von der geplanten Kostenbegrenzung nicht betroffen sind. Diese hätten einen Zusatznutzen für den Patienten und decken eine Mehrleistung des Arztes ab, die auch honoriert werden müsse.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte die Hausarztverträge zu prüfen und die Verpflichtung der Krankenkassen, diese anzubieten, aufzuheben. „Der gesetzliche Zwang, dass Krankenkassen Hausarztverträge abschließen und darüber mit dem Hausärzteverband verhandeln müssen, muss aufgehoben werden“, erklärte Gerd Billen, Vorstand des vzbv.

Wenn man höhere Beiträge verlangt, müssten diese auch in die Versorgung fließen, betonte Billen. Dies sei bei den Hausarztverträgen bisher aber nicht belegt worden. Deshalb fordert der vzbv den Paragraphen 73b im SGB V entsprechend zu überarbeiten. „Die Bundesregierung muss sich notfalls auch gegen den Widerstand von Ärztefunktionären und der bayerischen Staatsregierung für die Rechte der gesetzlich Versicherten stark machen“, sagte Billen.

Die Barmer GEK forderte den Hausärzteverband zu mehr Augenmaß bei ihren Protestplänen auf. „Es ist weder den Versicherten, noch den übrigen Ärzten zu vermitteln, dass die Hausärzte die einzige Gruppe sein sollen, die sich nicht an den Sparbemühungen beteiligen will und sogar deutlich höhere Honorare einfordert“, kritisierte Rolf-Ullrich Schlenker, Vizevorsitzende der Barmer, die Haltung des Hausärzteverbands. Er betonte, dass es zwar richtig sei, die hausärztliche Versorgung zu stärken, dass aber allein höhere Honorare nicht zu mehr Qualität führen würden.

Der bayerische Hausärzteverband hat seine Mitglieder als Reaktion auf die „diffamierenden medialen Kampagnen und die negative politische Diskussion“ zur Schließung seiner Praxen am 26. und 27. August aufgerufen. Die Aktion richte vor allem gegen einzelne Vertreter aus der Politik sowie gegen die Barmer, DAK, KKH Allianz und die Kassenärztliche Bundesvereinigung. © mei/aerzteblatt.de

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Clovis
am Donnerstag, 22. Juli 2010, 13:59

Konfus oder kfuzzi?

LeserkomentatorIn 'kfuzzi' entlavt sich als der Materie unkundige(r). Daher hier eine kleine 'Nachilfestunde':

Face the Facts:
- Eine in Bezug auf die Lebenshaltungskosten, Personalkosten und sonstige Sachkosten bezogen vergleichbar schlechte Entlohnung eines Arztes dürfte sich weltweit kaum finden. Wo doch, lassen sich Ärzte kaum finden.
- Der 'Landarzt' ist eben deswegen eine 'aussterbende Spezies', er ARBEITET um die Löcher zu stopfen, bis er gesundheitlich, in der Ehe, Familie und7 oder Partnerschaft oder einfach finanziell scheitert.
- Der 'Gesetzlich Versicherte' zahlt den Arzt nicht. Es ist die Kassenärztliche Vereinigung, die das was von den Beiträgen der 'Gesetzlich Versicherten' übrigbleibt, nachdem der Prozess 'Einsammeln und Verteilen' über Gesundheitsfonds an die 'Gesetzlichen Krankenkassen' und dann an die 'Kassenärztlichen Vereinigungen' durchexerziert wurde. Hier gibt es Optimierungsmöglichkeiten und Optimierungsbedarf (die zwei letzten Institutionen könnten verzichtbar gemacht werden, wenn die erste Institution entsprechen ausgestaltet würde).
- Wir (auch ich als Facharzt) gehen mit dem Geld der Versicherten sorgfältig um. Die Leistungen, die ich regelmäßig für 31,65 € pro Patient im Quartal (das sind drei Monate) erbringe, werden in anderen Ländern mit dem fünffachen vergütet, in noch anderen mit mehr als dem zehnfachen.
- Die Zusammenarbeit zwischen Primärarzt ('Hausarzt') ist aus meiner Erfahrung gut. Die Rolle des Primäraztes (Hausarztes) ist unverzichtbar als Lotse. Ich habe als Sekundärarzt ('Facharzt') obwohl ich regelmäßig für ca. 15% der untersuchten und behandelten Patienten KEIN HONORAR erhalte und ausschliesslich durch einen Hausarzt überwiesene Patienten annehme, Wartezeiten von 4 Monaten (Ausnahme: von den hausärztlich tätigen Kollegen fernmündlich als dringen angemeldete Patienten, die am selben Tag oder innerhalb einer Woche untersucht werden).
- Gäbe es keinen Hausarzt, wären wir Fachärzte in unzumutbarer Weise mit Patienten (oder auch Gesunden) beschäftigt, die unsere spezielle Expertise nicht benötigen. Dies ginge zu Lasten derer, die sie (möglicherweise auch zum Überleben) benötigen.
ZUSAMMENASSEND: Wir als Ihre Ärzte leistensehr viel für sehr wenig Geld, manchmal wenig Anerkennung und seit längerer Zeit sehr viel Anfeindung von Seiten der Politik und der Medien!
-ABSCHLIESSEND: Es hat sich bewährt, den Mund zu halten, wenn man nichts zu sagen hat - insbesondere weil man keinen Einblick in die Materie hat. Denn: "Manchen hält man für weise, weil er nicht redet; und manchen kann man nicht leiden, weil er zu viel redet." Sirach 20, 5; Bibel.

In der Hoffnung Ihnen gedient zu haben ("die Hoffnung stirbt zuletzt"),

Ihr Clovis
nogga
am Donnerstag, 22. Juli 2010, 12:07

Das Hausarztproblem wird sich von selbst lösen...

...wenn keiner mehr da ist. Erst dann wird man bereit sein, ueber eine Systemänderung nachzudenken. Die Herumeierei in einem verkrusteten System, dass sich als nicht mehr ueberlebensfähig erwiesen hat, verhindert nicht die Agonie. Die Marktwirtschaft ist auf niedergelassene Kollegen nicht anwendbar.
kfuzzi
am Donnerstag, 22. Juli 2010, 10:45

Hausärzteverband startet Kampagne gegen Sparpläne

Die Ankündigung für den 15. September (entsprechend ins KH ein- bzw. vermehrt zum FA zu überweisen) ist an Polemik kaum noch zu toppen... Wer will denn der Lotse sein? Wer erreicht seitens der HÄ denn (aufgrund mangelnder Kooperation?), dass seine hausärztlich versorgten Patienten einen zeitnahen FA-Termin erhalten? Wer weist denn nicht jetzt schon –zig „vermeidbare“ Fälle ein, ohne den FA einzuschalten... mit dem anschließenden Geplärr, dass eine Verlagerung der Budgets von stationär zu ambulant zu erfolgen habe? Die Landärzte sind es sicher nicht... sie versuchen vor Ort zu retten was zu retten ist. Diese findet man aber nicht in den Diskussionsrunden (weil sie gerade ARBEITEN). Es ist seitens des Hausärzteverbandes eine Frechheit, die Beiträge der gesetzlich Versicherten so zu verschleudern, wenn auch nur für einen Tag. Anscheinend ist diesen weltfremden Funktionären entgangen, wer sie entlohnt! Es ist nicht der Hausärzteverband; es ist nicht die KV! Es jeder einzelne, gesetzlich Versicherte. Ob Hartz-Empfänger oder
Facharbeiter, ob Verkäufer oder Krankenschwester oder Rentner! Schämt ihr Euch nicht? Geht weiter ruhig so mit dem Geld dieser Menschen so um. Setzt weiter auf deren Naivität. Es mag so sein, dass die Bürger dieses Landes für Stimmvieh gehalten werden. Die Aufklärer (welche auch für Euch bezahlen) werden mehr werden. Und diese interessiert nicht wirklich, ob eine Praxis in Bayern besser zu verkaufen ist, als in Bremen. Und wenn der Nachwuchs meint, dass er nur Arzt wird um das große Geld zu ziehen, soll er sich besser eine andere „Berufung“ suchen.
Auf diese Art von Politik und verschrobener Meinungsmache kann der mündige Versicherte VERZICHTEN... Ich warte auf das Korbmodell und freue mich auf die Kassen, die dann den ersten ankriechenden mehr zahlen dürfen als den ach so Standhaften (einfach mal nachlesen: SGB V § 95b, 72a, und 140). Noch ein Tipp: Umschulen zum Hotelier; dann macht es auch wieder Sinn FDP und CDU zu wählen... Oder im Hausarztverband verweilen und auch spenden (die Höhe dürfte durch Mövenpick ja bekannt sein). Das Ansehen des Arztberufes wird sich auf ein Minimum reduzieren... ohne Neiddebatte. Einfach durch das Verstehen des Systems.
Bis neulich

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