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Welt-Aids-Konferenz fordert mehr Einsatz der Politik

Freitag, 23. Juli 2010

Wien – Zum Abschluss der Welt-Aids-Konferenz in Wien am Freitag hat die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), Françoise Barré-Sinoussi, die Politik aufgerufen, für alle HIV-Patienten den Zugang zu einer geeigneten Behandlung sicherzustellen. „Der universelle Zugang zur Behandlung wird entgegen der abgegebenen Versprechen nicht 2010 umgesetzt“, sagte Barré-Sinoussi, deren Organisation die sechstägige Konferenz mit mehr als 20.000 Teilnehmern organisiert hatte.
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„Aber wir werden alle mobilisieren, um diesen Kampf mit den Politikern fortzusetzen, damit sie ihre Versprechen halten.“ Damit der Zugang zur Behandlung nicht nur kurzfristig finanziell gesichert sei, seien neue Eingriffsmöglichkeiten nötig, sagte Barré-Sinoussi, die 2008 mit Luc Montagnier für die Identifizierung des HI-Virus im Jahr 1983 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden war.

Die Organisation UNITAID finanziere bereits Medikamente für HIV-Patienten in armen Ländern durch einen Solidaritätszuschlag auf Flugtickets. Eine sogenannte Tobin-Steuer auf Finanztransaktionen wäre eine weitere Möglichkeit, sagte die Wissenschaftlerin. „Es muss Druck gemacht werden, damit das gemacht wird.“ Außerdem müssten die Pharmaunternehmen sich stärker an der Bekämpfung von Aids beteiligen.

Die Wissenschaft ist laut Barré-Sinoussi gefordert, einfachere, preiswertere und wirksamere Behandlungen zu entwickeln. Eine positive Entwicklung sei der auf der Wiener Konferenz vorgestellte Test eines Vaginalgels, das Frauen erstmals die Möglichkeit zur eigenständigen HIV-Prävention geben soll. Mittlerweile gebe es ein ganzes „Arsenal“ an Maßnahmen gegen HIV und Aids. Diese müssten gebündelt werden, um eine Ausbreitung der Immunschwächekrankheit einzudämmen. Eine wichtige Botschaft der diesjährigen Welt-Aids-Konferenz laute, dass Behandlung und Vorsorge untrennbar miteinander verbunden seien.

Die Internationale Aids-Gesellschaft bestimmte am Freitag Barré-Sinoussis Nachfolgerin. Die ugandische Medizinprofessorin Elly Katabira soll als erste Afrikanerin nach der nächsten Welt-Aids-Konferenz 2012 in Washington das Amt übernehmen. Die IAS ist die größte unabhängige Organisation von HIV-Experten, sie zählt 14.000 Mitglieder in 190 Ländern.

Die Deutsche Aids-Hilfe warnte die Bundesregierung zum Abschluss der Wiener Konferenz davor, ihre Zahlungen an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zu kürzen. Geschäftsführerin Silke Klumb sagte dem Radiosender MDR Info, wenn sich die Berichte über geplante Kürzungen bewahrheiteten, wäre das ein falsches Signal. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte im SWR, besonders die Länder in Osteuropa und Asien müssten sich stärker am Kampf gegen Aids beteiligen. „Es reicht nicht, wenn nur die Großen der Welt sich anstrengen“, mahnte sie. © afp/aerzteblatt.de

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