Boston – Wird das LDL-Cholesterin durch eine hochdosierte Statintherapie deutlich gesenkt, verlieren erhöhte HDL-Cholesterinwerte möglicherweise ihre prognostische günstige Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Post-hoc-Analyse der JUPITER-Studie im Lancet 82010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60713-1). Die European Society of Cardiology befürchtet Missverständnisse.
In der JUPITER-Studie waren fast 18.000 Patienten mit einem LDL-Cholesterin, aber einem erhöhten kardialen Risiko – angezeigt durch ein erhöhtes C-reaktives Protein – mit dem Lipidsenker Rosuvastatin oder Placebo behandelt worden.
Das LDL sank unter der hochdosierten Statintherapie auf Werte, die man typischerweise von australischen Ureinwohnern kennt, jedoch nur selten bei westlichen Patienten vorfindet. Nach 5 Jahren wurde gegenüber dem Placebo-Arm eine signifikante Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse registriert – deren klinische Relevanz allerdings umstritten ist.
Dies war jedoch nicht Gegenstand der jetzigen Post-hoc-Analyse von Paul Ridker vom Brigham and Women’s Hospital und Mitarbeitern aus Boston. Dem Kardiologen war bei der Analyse einer anderen Studie (PROVE-IT TIMI), aufgefallen, dass der HDL-Wert bei extrem niedrigen LDL-Cholesterinwerten seine prognostisch positive Bedeutung verliert (Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2009; 29: 424-430). Die Analyse der JUPITER-Studie scheint dies nun zu bestätigen.
Während im Placebo-Arm hohe HDL-Werte die Patienten vor späteren kardiovaskulären Ereignissen schützten, war dies im Rosuvastatin-Arm nicht mehr der Fall. Diese Beobachtung ist vor allem von akademischer Bedeutung. Denn die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse war in der Studie gering und eine zusätzliche Therapie zum Anheben niedriger HDL-Werte steht in dieser Gruppe gar nicht zur Diskussion.
Dennoch befürchtet die European Society of Cardiology, dass es zu Missverständnissen kommen könnte. In einer Pressemitteilung hebt ein Sprecher hervor, dass der Wert einer Therapie zur Steigerung des HDL-Cholesterins durch Studien belegt ist.
Verwiesen wird auf die Helsinki Heart Study (NEJM 1987; 317:1237-45) und die VA-HIT Study (JAMA 2001; 285: 1585-91), in denen Gemfibrozil die Rate kardiovaskulärer Ereignisse senkte – wobei nicht ganz klar ist, ob dies dem Anstieg des HDL-Werts oder der gleichzeitigen Senkung des LDL-Cholesterins zu verdanken war.
Eine Protektion durch Anheben des HDL-Werts wurde in der Coronary Drug Project Study (J Am Col Cardiol 1986; 6: 1245-55) auch durch Nikotinsäure (Niacin) erreicht, das aber infolge der Nebenwirkungen (“flushing”) ungern eingesetzt wird. Es besteht aber die Hoffnung, dass die gleichzeitige Gabe von Laropiprant, einem Prostataglandin-Antagonisten, das unangenehme Wärmegefühl mit Hautrötung und Juckreiz verhindern könnte.
Das Flushing soll einer aktuellen Studie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim zufolge übrigens über Prostaglandinrezeptoren auf den Keratinozyten vermittelt werden (Hanson, J. et al. Journal of Clinical Investigation 2010; doi:10.1172/JCI42273).
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