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| dpa |
„Die Endoprothetik ist ein Beispiel für exzellente GKV-Versorgung, an der alle Versicherten in vollem Umfang und ohne Altersbegrenzung teilhaben“, sagte Schlenker und schränkte zugleich ein: „Sie ist aber auch ein Kostentreiber, der angebotsinduzierte Nachfrage und eventuell eine Überversorgung zur Folge hat.“ Wegen der möglicherweise allzu breiten Indikationsstellung müssten die Kriterien für Hüft- und Knie-Implantationen deshalb überprüft werden.
Konkret forderte Schlenker, beispielsweise die Fallkosten von mehr als 7.000 Euro pro Erstimplantation sowohl im Kollektivvertrag als auch bei den Verträgen zur Integrierten Versorgung (IV) zu hinterfragen. Jede siebte Hüft- und jede achte Knieprothese müsse wieder ausgewechselt werden.
Um diese Zahl der Implantatwechsel zu senken, brauche man klare Gewährleistungsregeln und eine erfolgsorientierte Vergütung in den Verträgen. Laut Schlenker rechnet die Barmer GEK derzeit 90 Prozent der Endoprothetik-Operationen über Fallpauschalen und 10 Prozent über IV-Verträge ab: „Gerne würden wir künftig zum Beispiel Qualitätsanreize über die Vergütung setzen. Das Problem ist nur, dass wir zurzeit keine Vertragspartner finden.“
Verweildauer gesunken
Insgesamt ist die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus weiter von 8,6 Tagen im Vorjahr auf 8,5 Tage im Jahr 2009 gesunken. Die Behandlungshäufigkeit stieg hingegen von 182 auf 186 Fälle je 1.000 Versicherte. Seit 1990 sind somit die Behandlungstage um 34 Prozent gesunken, während die Fallzahlen um 16 Prozent angestiegen sind.
„Die Krankenhausversorgung ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich effizienter geworden“, kommentierte der Leiter des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) und Mitautor des Krankenhausreports, Friedrich Wilhelm Schwartz.
Die stationäre Behandlung von psychischen Störungen habe auch im vergangenen Jahr weiter zugenommen und sei noch vor Kreislauferkrankungen zur führenden Ursache von Krankenhausbehandlungen geworden, so Schwartz.
Besonders alarmierend sei, dass ein Viertel dieser Behandlungsfälle alkoholassoziiert sei. „Diese Tatsache ist noch keineswegs hinreichend im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit und der gestaltenden Gesundheitspolitik verankert“, kritisierte Schwartz.
Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, bezeichnete in der „Rheinischen Post“ den Anstieg der stationären Behandlungen im Krankenhaus bei kürzerer Verweildauer der Patienten als „Riesenkompliment an die Produktivitätssteigerung im Krankenhaus“. Die Zunahme der Hüft- und Kniegelenksoperationen erklärte er damit, dass die Bereitschaft der Menschen zurückgehe, sich mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen abzufinden.
Für den Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, zeigt der Krankenhausreport, dass für den Einsatz von Hüft- und Knieprothesen ein „unabweisbarer Leistungsbedarf" bestehe. Behauptungen, die Klinken würden zur Leistungsausweitung beitragen, habe der Bericht widerlegt.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte hingegen Einschränkungen bei den Operationen von Hüft- und Kniegelenk. In Deutschland gebe es viel zu viele Kliniken, die diese Operationen vornehmen dürften, sagte er der Münchner Zeitung "tz". Der Markt schaffe hier selbst seine Nachfrage.
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