Berlin – Anders als die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA, die für alle Antiepileptika Warnhinweise erlassen hat, kommt eine genestete Fall-Kontrollstudie in Neurology (2010; 75: 335-340) zu einer differenzierten Bewertung des Suizidrisikos der unterschiedlichen Wirkstoffe.
Die FDA hatte 2008 verfügt, dass die Hersteller von Medikamenten mit elf unterschiedlichen Wirkstoffen, die zur Anfallsprophylaxe eingesetzt werden, vor einem erhöhten Risiko suizidaler Gedanken oder Handlungen warnen müssen.
Vorausgegangen war eine gepoolte Analyse von 199 klinischen Studien. Sie hatte ergeben, dass die Anwender ein zweifach erhöhtes Risiko haben. Die absolute Gefahr war freilich gering: Ideation oder Durchführung eines Suizides war bei 0,43 Prozent der Anwender und 0,24 Prozent in den Placebo-Armen der Studien festgestellt worden. Das ergibt eine Number needed to harm von 530 Behandelten, auf die ein Selbstmord oder zumindest die Absicht dazu entfiel.
Möglicherweise war die geringe Zahl der Ereignisse der Grund, warum die FDA darauf verzichtete, zwischen den einzelnen Medikamenten zu differenzieren, die teilweise sehr unterschiedliche Wirkungsmechanismen haben.
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Für Substanzen mit einem geringen Potenzial zur Auslösung von Depressionen (Lamotrigin, Gabapentin, Pregabalin und Oxcarbazepin) und für ältere Wirkstoffe sowie für Barbiturate war das Suizidrisiko nicht erhöht.
Andersohn hofft, dass die Ergebnisse den Ärzten bei der Wahl der Medikamente helfen können. Angesichts des geringen absoluten Risiken sehen die Editorialisten Josemir Sander vom University College London und Marco Mula von der Universität in Novara/Italien die Ergebnisse eher als vertrauensbildende Maßnahme.
Durch die Wahl der Medikamente könne verhindert werden, dass Patienten aus Angst vor einer Suizidalität ganz auf die Einnahme der Medikamente verzichten. Wie immer in der medikamentösen Therapie müssen neben Depression und Suizidalität noch andere Risiken und Nebenwirkung bei der Wahl des geeigneten Mittels bedacht werden.
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