IGES erwartet keine Kostenexplosion durch Krebsmedikamente
Montag, 2. August 2010
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| Bertram Häussler /dpa |
Berlin – Nach Ansicht des
Instituts für Gesundheits- und Gesellschaftsforschung (IGES) werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Krebsarzneimittel in den kommenden Jahren nur moderat zunehmen.
In einer heute in Berlin vorgestellten Studie prognostiziert das Institut einen Anstieg der Kosten von 3,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2013. Das sei eine Steigerung von jährlich etwa 4,8 Prozent, sagte der geschäftsführende Gesellschafter des IGES, Bertram Häussler. Die Ausgaben für alle anderen Medikamente zur Grundversorgung würden im selben Zeitraum ebenfalls um 3,9 Prozent steigen.
„Von einer Explosion der Ausgaben für Krebsmittel kann daher nicht die Rede sein. Die vielfach prognostizierte Kostenexplosion durch teure Krebsmittel hat es weder in der Vergangenheit gegeben, noch wird sie in den kommenden vier Jahren eintreten“, sagte Häussler.
Obwohl es zutreffe, dass die Kosten pro Behandlung mit neuen Substanzen wie Tyrosinkinase-Hemmern und monoklonalen Antikörpern vielfach fünfstellige Beträge ausmachten, sei die Summe der Ausgaben auf Grund der kleinen Patientenzahlen gering.
Bis 2007 sei aufgrund ihrer relativen Neuheit insbesondere der Umsatz dieser Arzneimittel deutlich angestiegen. Seither sei die im Vergleich zum Vorjahr gemessene Umsatzsteigerung jedoch deutlich gesunken. Bei Tyrokinase-Hemmern von knapp 60 Prozent im Jahr 2007 auf etwa 18 Prozent im Jahr 2009 und bei monoklonalen Antikörpern von 46 Prozent im Jahr 2007 auf etwa ein Prozent im vergangenen Jahr.
Gegen eine Kostenexplosion spreche zudem, dass in den vergangenen neun Jahren durchschnittlich lediglich 3,2 neue Krebsmittel pro Jahr zugelassen worden seien, sagte Häussler.
Und auch bis 2013 könne nicht von einer explosionsartigen Zunahme neuer Wirkstoffe gesprochen werden, da auf Grundlage der Daten der Europäischen Arzneimittelagentur EMA voraussichtlich nicht mehr als zwölf neue Krebsmittel auf den Markt kommen würden, also drei pro Jahr.
Die IGES-Studie entstand mit Unterstützung der „Local Area Working Group“ (LAWG), einer Arbeitsgemeinschaft internationaler forschender Pharmaunternehmen, der unter anderem Abbott, Brystol-Myers Squibb, GlaxoSmithKline, Lilly, Novartis und Pfizer angehören. Der Projektkoordinator der LAWG, Hans-Nikolaus Schulze-Solce, erklärte, die Ergebnisse der Studie sollten zur Versachlichung der Diskussion um Krebsarzneimittel beitragen.
Häussler äußerte sich auch zu den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums, eine frühe Nutzenbewertung neuer Arzneimittel direkt nach ihrer Markteinführung durchführen zu lassen: „Man wird feststellen, dass eine frühe Nutzenbewertung sachlich schwer umsetzbar sein wird. Bei den Verhandlungen zwischen Pharmaunternehmen und GKV-Spitzenverband sollte man sich deshalb eher daran orientieren, wie viele Patienten das jeweilige Arzneimittel bekommen werden – bei einer geringen Fallzahl könnten dann auch höhere Preise möglich sein.“
© fos/aerzteblatt.de
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