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Ärzteschaft

Internisten gegen Monopol des Hausärzteverbandes

Donnerstag, 29. Juli 2010

Wiesbaden – Als „fatal“ hat der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), Wolfgang Wesiack, den jüngsten Streit um die Hausarztverträge bezeichnet: „Es war falsch, dem Hausärzteverband ein Verhandlungsmonopol zu geben, es ist aber genauso falsch, die versprochenen Honorarzuwächse wieder einzukassieren“, sagte Wesiack.

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Die angekündigten Protestaktionen des Hausärzteverbandes hält Wesiack für kontraproduktiv, da in der Bevölkerung der Eindruck entstehe, es werde nur um Geld gekämpft, nicht aber für eine bessere Versorgung der Patienten.

Der BDI-Präsident betonte aber, dass es weiterhin notwendig sei, die Rahmenbedingungen der hausärztlichen Tätigkeit zu verbessern. Dafür seien strukturelle und finanzielle Maßnahmen notwendig. So müsse die Stellung des Hausarztes im System der Versorgung verbessert werden.

„Dies geht aber nur im Verbund mit allen niedergelassenen Ärzten, auch den Fachärzten“, erklärte Wesiack. Er fordert deshalb, das „Monopol des Hausärzteverbandes zu brechen“ und auf ein abgestimmtes Konzept zu setzen. © hil/aerzteblatt.de

aerzteblatt.de

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Businesspaar
am Samstag, 31. Juli 2010, 11:42

Motivation?

Wenn jemandem 20/30 % des Einkommens "gekürzt" wird, wie soll der sich eigentlich noch motivieren? Öffnet das nicht Tür und Tor für allerlei Begehrlichkeiten? Wer oder was dann leidet, muss man dann wohl nicht mehr beschreiben.
Leopold Mersch
am Freitag, 30. Juli 2010, 10:32

Fehlt die ordnende Hand?

Würden Menschen nicht krank, bräuchten sie keine Hilfe, wären Ärzte, Kliniken, Krankenkassen, Ämter und Gesundheitspolitiker überflüssig. Alles im und alle am Gesundheitssystem Beteiligten haben nur dem einen Zweck zu dienen: krank gewordenen Menschen zu helfen.

Die einen arbeiten näher am Patienten, die anderen weiter weg. Die einen sind Leistungserbringer, die anderen Leistungsverwalter. "Schreibtischtäter" haben Ärzten, Pflegern, Schwestern, Therapeuten usw. den Rücken für ihre Arbeit frei zu halten.

Wer gezwungen ist, sich mehr Gedanken über sein wirtschaftliches Überleben zu machen als darüber, wie er den ihm sich anvertrauenden Patienten helfen kann, ist in einer misslichen Lage. Wer Leistungserbringer dazu nötigt, handelt nicht im Interesse der Patienten, hat vermutlich mehr sein eigenes Wohlergehen im Sinn.

Patientenvergessenheit: ist sie das Hauptproblem in unserem Gesundheitswesen? Die übermäßige Ökonomisierung, die Dominanz der kaufmännischen Aspekte hat dazu geführt, dass mehr danach gefragt wird, ob sich eine Leistung für den Leistungserbringer lohnt, als danach, ob die Leistung für den Patienten erforderlich oder wenigstens hilfreich ist.

Alle Beteiligten, insbesondere diejenigen, welche die Leistungserbringer am Patienten nur noch als "Mikroebene" wahrnehmen, also bereits in höhere Sphären abgehoben und sich von deren konkretem Alltag längst verabschiedet haben, sollten sich endlich auf das Wesentliche besinnen.

Ausschließlich um die Bereitstellung von Hilfen für krank gewordene Menschen darf es gehen. Dass Leistungserbringer für ihre schwere Arbeit nachvollziehbar, angemessen und gerecht bezahlt werden, sollte sich von selbst verstehn.

Für Verbandsquerelen, unzumutbare Honorarsysteme, Uneinigkeit und Unzuverlässigkeit von Funktionären darf in einem vernünftigen Gesundheitssystem kein Platz sein.

Eine KBV, die ihre Vertragsärzte drangsaliert, verunsichert, ihnen 10/20 % (Baden-W./Thüringen) Umsatzverlust (sprich: 20/30 % Einkommensverlust) zumutet und ihnen jegliche Planungssicherheit und Perspektive nimmt, schadet nicht nur den betroffenen Ärzten, sondern letztlich den Patienten; sie hat damit ihr Thema verfehlt, sollte sich so schnell wie möglich eines Besseren besinnen oder sich verabschieden.

Dass es einen Hausärzteverband gibt, ist nur ein weiteres Symptom für die fehlgeleiteten Aktivitäten der Selbstverwaltung. Sich selbst in den Mittelpunkt stellend, dann die Fachärzte, dann die Hausärzte hat sie ihren Wahrnehmungshorizont so stark eingeengt, dass sie die Patienten und ihre eigentliche Funktion, den Leistungserbringern den Rücken frei zu halten, aus dem Blick verloren hat.

Jeder kreist nur noch um sich selbst. Dabei sollten alle Beteiligten im Gesundheitswesen ihr Entscheiden und Handeln auf ein gemeinsam zu verfolgendes Ziel ausrichten: kranken Menschen helfen!

Die Vielzahl und das Gegeneinander von Institutionen und ihren Vertretern, ihr bisweilen zwanghaft anmutendes Sich-in-den-Mittelpunkt-Stellen ist Folge von Egoismen, die mit einem verantwortbaren Umgang mit der zentralen Aufgabe des Gesundheitssystems unvereinbar und deshalb schnellstmöglich zu überwinden sind.
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