London – Onkolytische Viren gelten als ein vielversprechender Ansatz in der Krebstherapie. In einer Studie in Clinical Cancer Research (2010; 16: 4005-4015) hat das Präparat eines US-amerikanischen Herstellers die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren unterstützt.
Viren können im Körper gezielt Zellen infizieren und abtöten. Die Idee, die Krankheitserreger auf Krebszellen anzusetzen, ist deshalb nicht neu. Tierexperimentelle Studien mit natürlicherweise vorkommenden Viren wurden bereits in den 1920er Jahren durchgeführt – allerdings ohne Erfolg.
Die Möglichkeit Viren gentechnisch zu modifizieren, hat die Entwicklung onkolytischer Viren in den letzten Jahrzehnten wieder gefördert. Zu den am meisten fortgeschrittenen Projekten gehört Oncovex® von Biovex, einem Hersteller aus Woburn im US-Staat Massachusetts.
Es handelt sich um ein Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1), das auf zweifache Weise modifiziert wurde. Zum einen wurden zwei Gene entfernt, die das Virus zur Vermehrung in Zellen benötigt, damit sie sich nicht teilen.
zum Thema |
Die Ergebnisse einer Phase-2-Studie zum malignen Melanom wurden im letzten Jahr publiziert (Journal of Clinical Oncology 2009; 27: 5763-5771): Bei acht von 50 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom wurde eine vollständige Remission erzielt, bei acht weiteren kam es zu einer Teilremission – Ansprechrate nach den RECIST-Kriterien insgesamt 26 Prozent. Der Hersteller führt derzeit eine Phase-III-Studie durch, deren abschließende Ergebnisse aber noch nicht vorliegen.
Die zweite angestrebte Indikation sind Kopf-Hals-Tumoren. Unter der Leitung von Kevin Harrington vom Institute of Cancer Research in London wurden 17 Patienten behandelt. Anders als bei den Melanom-Patienten, bei denen Oncovex als Stand-alone-Therapie eingesetzt wird, sollen die onkolytischen Viren hier die Wirkung einer Chemoradiotherapie verbessern.
Alle Patienten unterzogen sich sechs bis zehn Wochen nach der Therapie einer Neck-Dissection. Bei dieser Operation werden die regionalen Lymphknoten im Halsbereich entfernt: 16 der 17 Patienten waren ohne Tumornachweis im Operationspräparat.
Die Viren waren in den injizierten und nicht-injizierten Arealen in erhöhter Menge nachweisbar, was laut Harrington die erhoffte Virusreplikation belegt. Zwei Jahren später war es nur bei zwei Patienten zu einem Tumorrezidiv gekommen.
Da Kopf-Hals-Tumoren sehr langsam wachsen, sind die Ergebnisse streng genommen, kein Beleg der Wirkung. Ohnehin dienen Phase-II-Studien primär der Dosisfindung, sprich der Sicherheit der Therapie.
Aufgrund der günstigen Ergebnisse hat der Hersteller jedoch bereits mit einer Phase-III-Studie begonnen. Erst nach deren Abschluss wird sich der Stellenwert der onkolytischen Therapie abschätzen lassen.
| Versenden | Teilen |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.