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Wie die Ernährung den Darm verändert

Dienstag, 3. August 2010

Florenz – Die Ernährung hat deutliche Auswirkungen auf die bakterielle Besiedlung des Dickdarms. Die Unterschiede sind bereits in den ersten Lebensjahren beachtlich. Sie könnten die unterschiedliche Anfälligkeit von Menschen in Industrie- und Entwicklungsländern (nicht nur) für Darmerkrankungen erklären, wie eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2010, doi: 10.1073/pnas.1005963107) zeigt.

In den westlichen Ländern konnten schwere Darminfektionen, an denen noch heute viele Menschen in den Entwicklungsländern sterben, weitgehend zurückgedrängt werden. Dafür sind Allergien, Autoimmunerkrankungen und entzündliche Darmerkrankungen sehr häufig geworden.

Bei sogenannten Naturvölkern wie den Mossi im zentralafrikanischen Burkina Faso sind sie so gut wie unbekannt. Nicht wenige Forscher vermuten die Ursache hierfür in der Darmflora. Mit modernen Labormethoden können Forscher heute die „Mikrobiota“ des Darms zu vertretbaren Kosten genetisch analysieren.

Ein Team um den pädiatrischen Gastroenterologen Paolo Lionetti von der Meyer-Kinderklinik in Florenz hat jetzt Stuhlproben von Kindern aus Florenz und einem Dorf in Burkina Faso verglichen.

Die florentinischen Kinder ernährten sich wie die meisten Kinder in den Industrieländern: Nachdem sie höchstens ein Jahr gestillt wurden, wechselten sie auf eine Diät mit einem hohen Anteil an tierischen Proteinen, Zucker, Stärke und Fett. Der Anteil an pflanzlichen Fasern (Ballaststoffe) lag unter einem Prozent.

Ganz anders die Kinder aus dem Dorf Boulpon, deren Lebensgewohnheiten denen der Europäer während der Neusteinzeit ähneln, der Übergangsphase von der nomadischen Jäger-und-Sammlerkultur zur sesshaften Lebensweise. Die Kinder werden in Boulpon im Durchschnitt zwei Jahre gestillt und dann vor allem mit pflanzlicher Nahrung aus eigenem Anbau ernährt. Der Ballaststoffanteil beträgt 10 Prozent.

Das ergibt nicht nur einen voluminösen Stuhlgang. Auch die Darmbakterien sind andere als bei den italienischen Kindern. In beiden Gruppen entfallen fast 95 Prozent aller Darmbakterien auf vier Gruppen.

Zwei davon, die Actinobacteria und Bacteroidetes (B), dominierten bei Kindern aus Burkina Faso, während die beiden anderen, Firmicutes (F) und Proteobacteria bei den europäischen Kindern häufiger waren.

Ein hohe F/B-Verhältnis ist laut Lionetti auch kennzeichnend für die Adipositas, während das umgekehrte Verhältnis bei schlankeren Menschen überwiegt. Das F/B-Verhältnis sei so kennzeichnend, dass fast von einem Marker der Adipositas gesprochen werden könne, schreibt Lionetti.

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Der Forscher stellte auch eine größere bakterielle Vielfalt im Darm der afrikanischen Kinder fest. Einige der Darmbakterien wie Xylanibacter, Prevotella, Butyrivibrio und Treponema wurden ausschließlich bei ihnen gefunden.

Laut Lionetti sind diese Bakterien in der Lage, einige Pflanzenfasern aufzuschließen und zusätzliche Energieträger bereitzustellen. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, denen eine protektive Rolle gegenüber entzündlichen Darmerkrankungen nachgesagt wird.

Dies könnte eine Erklärung für die Abwesenheit von entzündlichen Darmerkrankungen in dieser Population sein, vermutet Lionetti. Die vergleichsweise hohe Diversität könnte den Darm auch resistenter gegen Durchfallerkrankungen machen, da sie die Möglichkeiten der Pathogene, sich im Darm auszubreiten, einschränken könnte.

Und die Präsenz vielgestaltiger Antigene im Darm, dem größten Abwehrorgan des Menschen, könnte verhindern, dass sich das Immunsystem auf unschädliche Allergene stürzt, was wiederum die geringere Rate atopischer Erkrankungen bei afrikanischen Kindern erklären würde.

Dies sind derzeit allerdings noch Spekulationen. Ob eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten in den Industrieländern, diese vor Darmkrankheiten schützt, müsste erst noch bewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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Thelber
am Dienstag, 3. August 2010, 21:45

.... könnte es nicht ebenso gut sein ...

... dass die afrikanischen Kindern einer strengeren "natürlichen Auslese" unterworfen sind ? Aufgrund schlechterem Zugang zu medizinischer Versorgung ??

Nicht dass ich die Ernährung für unwichtig halte, dennoch ist diese Frage in dieser Studie unbeantwortet !!

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