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Internet kann Jugendliche depressiv machen

Mittwoch, 4. August 2010

Guangzhou – Eine prospektive Beobachtungsstudie aus China bestätigt die Befürchtungen, wonach eine exzessive Internet-Nutzung bei Heranwachsenden zu psychischen Schäden führen kann. Nach der Publikation in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2010; doi: 10.1001/archpediatrics.2010.159) hatten pathologische User ein deutlich erhöhtes Risiko an Depressionen zu erkranken.

Die Gruppe um Zi-Wen Peng von der Sun-Yat-Sen Universität Guangzhou, einer 10-Millionen Metropole im Südosten Chinas, hatte 1.041 Teenager um eine Selbsteinschätzung ihrer Internet-Nutzung gebeten. Sie füllten den Internet Addiction Test aus, in den es weniger um die Online-Dauer geht, als um die negativen Auswirkungen auf Schule, Familienleben und Freizeitaktivitäten sowie um andere Kennzeichen einer möglichen Abhängigkeit.

Da nur wenige Schüler in die höchste Kategorie fielen, wurden Schüler mit schwerer bis mäßiger Abhängigkeit mit normalen Usern verglichen. Neun Monate später füllten die Teenager Fragebögen zu Angst und Depressivität aus. Während Angstzustände kaum aufgetreten waren, zeigten 87 Studienteilnehmer eine Depression.

Die Diagnose war signifikant mit einer mäßigen bis schweren Internet-Abhängigkeit in der Ausgangsuntersuchung assoziiert. Peng errechnet einen Anstieg der Inzidenzrate um den Faktor 2,5 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,3-4,3), wobei einige Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Stadt-Land-Unterschied, schwere Erkrankungen sowie Schwierigkeiten in Familie und Schule berücksichtigt wurden, soweit dies möglich war.

Die größte Schwäche der Studie dürfte darin bestehen, dass die Internet-Abhängigkeit auf einer Selbsteinschätzung beruht und die Diagnose der Depression durch einen Fragebogen und nicht durch einen Psychiater erfolgte.

Wie immer in derartigen Studien muss offen bleiben, ob die Internet-Abhängigkeit zu den Depressionen geführt hat oder ob das Internet nicht eine Flucht vor bestehenden psychischen Probleme war, was bei der kurzen Nachbeobachtungszeit wohl nicht auszuschließen ist. © rme/aerzteblatt.de

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