Alkohol und Gewalt: Krisenintervention in der Klinik soll helfen
Mittwoch, 4. August 2010
Ann Arbor – US-Forscher wollen Jugendliche, die wegen eines Alkoholexzesses oder Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden, durch eine psychologische Kurzintervention zu einer vernünftigeren Lebensweise ermuntern. Die Ergebnisse einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 527-535) sind jedoch nicht eindeutig.
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SafERteens heißt die Kurzintervention gegen Jugendgewalt und Alkoholmissbrauch, die am Hurley Medical Center in Flint, der viertgrößten Stadt im US-Bundesstaat Michigan erprobt wurde. Alle Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die in der dortigen Notfallambulanz zu nächtlicher Stunde auftauchten, wurden zunächst nach einem Zusammenhang ihrer Verletzungen mit einem Alkoholkonsum befragt. 726 Teenager, bei denen das Screening positiv ausfiel, waren bereit an der Studie teilzunehmen.
Sie wurden auf drei Gruppen verteilt. In einer Kontrollgruppe erhielten sie eine Broschüre über Alkohol und Jugendgewalt, eine nachweislich ineffektive Maßnahme. Die beiden anderen Gruppen wurden einer Kurzintervention zugelost, die entweder am Computer oder durch einen Therapeuten erfolgte.
In einem „motivierenden Interview” sollten sich die Jugendlichen etwa 35 Minuten lang mit dem Problem Alkohol und Gewalt beschäftigten und dabei lernen, die Vor- und Nachteile ihres Handelns zukünftig besser abzuwägen.
Dazu erhielten sie Tipps, wie sie sich in riskanten Situationen besser verhalten können. Die Interviews waren auf die Bedürfnisse von Jugendlichen im Innenstadtbereich einer US-Großstadt abgestimmt.
Drei und sechs Monate später wurden die Jugendlichen erneut angesprochen. Ihre Antworten lassen vermuten, dass SafERteens etwas bewirkt haben könnte. Diese Ansicht vertritt jedenfalls Studienleiterin Maureen Walton von der Universität von Michigan in Ann Arbor.
Vor allem die Teenager, die mit einem Therapeuten geredet hatten, berichteten über eine verminderte Zahl von Gewalterlebnissen bei sich oder anderen. Auch die Anzahl der Ereignisse mit Konsequenzen war zurückgegangen. Die Effektgröße war allerdings gering, wendet der Editorialist Richard Saitz vom Boston Medical Center ein (JAMA 2010; 304: 575-577).
Und häufig war der positive Eindruck, den die Jugendlichen nach 3 Monaten vermittelten, nach 6 Monaten nicht mehr vorhanden. Auch die geringen Vorteile sind nach Ansicht von Saitz nicht frei von Zweifeln.
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