Berlin – Raucher, die ihre Sucht mit Hilfe einer medikamentösen Unterstützung beenden wollen, sollten diese Entwöhnung von ihrer Krankenkasse bezahlt bekommen. Bislang müssen sie entsprechende Medikamente selbst finanzieren.
Tabakabstinenz verbessere ihren Gesundheitszustand, verlängere ihr Leben und sei zudem ökonomisch sinnvoll. Diese Auffassung haben Fachleute am Donnerstag in Berlin auf einer Veranstaltung der Firma Pfizer vertreten, die das Medikament Champix (Vareniclin) herstellt.
Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem verwies auf eine aktuelle Studie zur Kosteneffektivität von Raucherentwöhnung, die an seinem Lehrstuhl an der Universität Duisburg-Essen erstellt wurde.
Dabei wurde für drei Gruppen chronisch kranker Raucher ermittelt, dass sich die Kostenübernahme für eine medikamentöse Raucherentwöhnung für die Krankenkassen rechnet.
Bei den drei Gruppen, für die die Modellberechnungen angestellt wurden, handelt es sich um Patienten über 45 Jahre, die entweder an einer koronaren Herzerkrankung, an Typ 2 Diabetes mellitus oder an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung leiden. Zugrunde gelegt wurde eine Abstinenzphase von einem Jahr, darüber hinaus eine weitere Lebenszeit von 50 bis 55 Jahren.
Verkürzt dargestellt, errechneten die Wissenschaftler auf dieser Basis Kosteneinsparungen durch die medikamentöse Raucherentwöhnung zwischen 1.300 und 2.700 Euro. Wasem machte darauf aufmerksam, dass die Fragestellung der Studie nicht zynisch gemeint sei.
Unter Kostengesichtspunkten gebe es vielmehr gegenläufige Effekte: Raucher verursachten einerseits durch ihre Folgeerkrankungen Kosten, stürben andererseits früher als Nichtraucher. Deshalb sei interessant zu ermitteln gewesen, ob der finanzielle Aufwand für eine medikamentöse Raucherentwöhnung kleiner oder größer sei als Einsparungen durch eine verkürzte Lebensdauer von Rauchern.
Für eine Kostenübernahme der Krankenkassen sprach sich auch Stefan Andreas von der Lungenfachklinik Immenhausen/Hessen aus, einer pneumologischen Lehrklinik der Universität Göttingen.
„Gerade im Hinblick auf chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist eine Tabakentwöhnung nicht nur die wirksamste, sondern auch die kostengünstigste Maßnahme, um das Voranschreiten der Erkrankung zu stoppen und damit auch kurzfristig weitere Kosten zu sparen“, sagte Andreas.
Tabakkonsum sei eine ernsthafte Suchterkrankung, kein Lifestyle-Phänomen. Ohne medikamentöse wie nichtmedikamentöse Hilfen würden lediglich drei bis fünf Prozent aller Raucher, die es versuchen, aufhören, mit Hilfen etwa ein Drittel.
Andreas, der Leiter der Arbeitsgruppe Tabakprävention bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ist, forderte, das Sozialgesetzbuch V zu ändern. In § 34 werden unter anderem Arzneimittel zur Raucherentwöhnung von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ausgeschlossen.
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In § 34 SGB V werden unter anderem Arzneimittel zur Raucherentwöhnung von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ausgeschlossen.
Das sollte auch so bleiben. Menschen, die von der Zigarette unabhängig werden wollen, können die erforderlichen Medikamente locker von dem für die Zigaretten eingesparten Geld selbst finanzieren.
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