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95 Gene beeinflussen Lipidwerte

Donnerstag, 5. August 2010

Philadelphia – Ein internationales Forscherteam hat in einer genomweiten Assoziationsstudie 95 Genvarianten ermittelt, die den Lipidstoffwechsel beim Menschen beeinflussen. Ob sich aus ihren Publikationen in Nature (2010; doi: 466, 707–713 und 714–719) neue Perspektiven für die Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ergeben, bleibt abzuwarten.

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) suchen nach den Ursachen für die familiäre Häufung von Erkrankungen, die sich nicht auf einen einfachen Erbgang zurückführen lassen. Dazu wird die DNA von Patienten mit der Krankheit und von Gesunden verglichen.

Da ein kompletter Genomvergleich derzeit noch nicht möglich ist, beschränken sich die Forscher auf eine steigende Anzahl von Einzelmutationen (single-nucleotide polymorphisms oder SNPs). Das ist mittels Genchips zu vertretbaren Kosten möglich und ein beliebter Forschungsansatz: In den vergangenen Jahren wurden in circa 600 GWAS etwa 800 SNPs gefunden, die mit rund 150 Erkrankungen assoziiert waren.

Mit den jetzt vorgestellten Ergebnissen des Global Lipids Genetics Consortium, an dem sich mehr als 100.000 Menschen aus 17 Ländern (darunter an mehreren deutschen Zentren) beteiligten, kommen 95 weitere SNPs hinzu, die mit den vier wichtigsten Größen des Fettstoffwechsels in Zusammenhang stehen, nämlich Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride.

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Zusammengenommen erklären die 95 SNP ein Drittel der genetischen Abweichungen des Cholesterin- und des Triglyceridspiegels, heißt es in einer Pressemitteilung der US-National Institutes, die etwa die Hälfte der Patienten für die Untersuchung beisteuerte.

Der Beitrag der einzelnen SNP dürfte damit gering sein. Außerdem waren 59 SNP bereits bekannt. Ein Gentest steht ohnehin nicht in Aussicht. Er wäre auch sinnlos, da sich das individuelle Risiko besser durch die Lipidwerte abschätzen lässt, da sie neben den Genen auch die Umweltfaktoren, sprich das Ernährungsverhalten reflektieren.

Die Forscher hoffen aber darauf, nähere Einblicke in die genetische Regulierung des Stoffwechsels zu finden. Hier scheint es erste neue Erkenntnisse zu geben. Auf dem Chromosom 1 sind Kiran Kiran Musunuru von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia auf eine Bindungsstelle für einen Transkriptionsfaktor gestoßen, der gleich mehrere Gene in der Leber steuert.

Zu ihnen gehört Sort1, das die Erbinformation für das Protein Sortilin enthält. Wurde das Gen (mittels einem „Kurzgen“, siRNA) ausgeschaltet, stieg bei Mäusen das Plasmacholesterin um 30 Prozent an. Wurde das Gen durch Einschleusen zusätzlicher Gene verstärkt, sank der Cholesterinspiegel um 80 Prozent ab.

Zu dieser Reduktion kam es durch eine verminderte Bildung des VLD-Lipoproteins, einem Vorläufer des LD-Lipoproteins, mit dem Cholesterin im Blut transportiert wird. Damit wurde ein bisher nicht bekannter und offensichtlich äußerst potenter Regulator des Cholesterinstoffwechsels gefunden, der sicherlich die Aufmerksamkeit der Arzneimittelforschung finden wird. Ob sich daraus einmal neue Wirkstoffe ergeben werden, lässt sich natürlich nicht vorhersehen. © rme/aerzteblatt.de

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