Hepatitis C: Zwei Protease-Inhibitoren vor der Einführung
Donnerstag, 5. August 2010
Whitehouse Station/Cambridge – Für Patienten mit Hepatitis C dürften sich die Behandlungsaussichten bald verbessern. Aktuelle Studien belegen, dass die beiden Protease-Inhibitoren Boceprevir und Telaprevir auch dann wirksam sind, wenn die Standardtherapie mit Interferon plus Ribavirin erfolglos geblieben ist. Die Verträglichkeit ist jedoch nicht unproblematisch.
Wie das HI-Virus benötigt auch das Hepatitis C-Virus (HCV) für seine Replikation eine Protease. Die Blockade dieses (bei HIV und HCV unterschiedlichen) Enzyms ist ein vielversprechender therapeutischer Angriffspunkt. Bei HIV-Infizierten werden mehrere Protease-Inhibitoren bereits erfolgreich eingesetzt.
Für die Behandlung von HCV-Infektionen stehen zwei Wirkstoffe vor der Einführung. Beide werden zusammen mit der Standardtherapie aus pegyliertem Interferonen und Ribavirin eingesetzt. Und beide sind in dieser Dreierkombination in der Lage, die Chancen auf eine SVP (für sustained virologic response) zu verbessern.
Eine SVP erfordert, dass 24 Wochen nach Ende der Therapie keine Virusgene mehr im Blut nachweisbar sind, was vermutlich einer Ausheilung der Erkrankung gleichkommt. Anders als bei HIV wird die Therapie der chronischen Hepatitis nicht lebenslang fortgesetzt.
Mit Telaprevir vom Hersteller Vertex Pharmaceuticals erzielten in einer Phase-II-Studie bis zu 53 Prozent eine SVP (NEJM 2010; 362: 1292-1303). Bei nicht vorbehandelten Patienten betrug die SVP in einer kürzlich vorgestellten Phase-III-Studie sogar 75 Prozent. Im September sollen die Ergebnisse einer Phase-III-Studie zu therapierefraktären Patienten vorgestellt werden.
Für Boceprevir liegen jetzt die Ergebnisse aus zwei Phase-III-Studien vor. An der RESPOND-2 Studie beteiligten sich 403 Patienten mit chronischer Hepatitis C (Genotyp 1), bei denen eine frühere Therapie versagt hatte. Sie wurden für einen neuen Therapieversuch auf drei Gruppen randomisiert.
In einer Kontrollgruppe wurden erneut die beiden Standardmedikamente eingesetzt. In den beiden anderen Armen erhielten die Patienten zusätzlich Boceprevir. Einmal wurde das Medikamente über die gesamte Therapiedauer von 48 Wochen appliziert, im anderen Studien-Arm wurde ein “response-guided”- Ansatz erprobt.
Er erlaubt ein vorzeitiges Absetzen, wenn unter der Behandlung schon früh eine Virusfreiheit erzielt wird. Die SVR-Rate betrug nach der 48-wöchigen Therapie 66 Prozent und 59 Prozent unter dem “response-guided”- Ansatz. In der Kontrollgruppe erreichten 21 Prozent eine SVR.
In der HCV SPRINT-2-Studie wurden 1.097 nicht vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C (Genotyp 1) auf die gleichen drei Therapie-Arme randomisiert wie in der ersten Studie. Die 48-wöchige Kombination mit Boceprevir erzielte eine SVR von 66 Prozent, im “response-guided”- Ansatz waren es 63 Prozent. Unter der Standardtherapie erreichten 38 Prozent eine SVR.
Die beiden Protease-Inhibitoren können die Heilungschancen bei einer Hepatitis C demnach verbessern, wobei die Ergebnisse unter Telaprevir etwas besser zu sein scheinen – auch wenn der Vergleich unter verschiedenen Studien immer problematisch bleibt.
Die Einführung einer dritten Substanz in die Therapie erhöhte jedoch die Toxizität: Die häufigsten Nebenwirkungen waren Fatigue, Kopfschmerzen, Übelkeit und eine Anämie. Unter beiden Therapien sind Therapieabbrüche nicht selten: bis zu 7,7 Prozent unter Telaprevir und bis zu 12 Prozent unter Boceprevir.
Für beide Medikamente dürfte deshalb die kürzeste Dauer (24 Wochen bei Telaprevir und der “response-guided”-Ansatz bei Boceprevir) den Vorzug erhalten, auch wenn die SVP dann etwas niedriger sind.
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