Cambridge/Carlsbad – Mipomersen könnte der erste Anti-Sense-Wirkstoff sein, der in der Inneren Medizin zum Einsatz kommt. In zwei Phase-III-Studien senkte es den LDL-Cholesterinwert bei therapierefraktären Patienten um ein Drittel.
Anti-Sense-Wirkstoffe sind kurze RNA-Moleküle, die in der Zelle die Bildung von Proteinen verhindern, indem sie an der Boten-RNA binden, zu der sie komplementär sind. Im Prinzip könnte damit jeder denkbare Stoffwechselvorgang in der Zelle gezielt gestoppt werden.
Das bisher einzige Medikament aus dieser Gruppe war Vitravene®, das die Replikation von Cytomegalie-Virus (CMV) stoppt. Es war seit Juli 1999 zur lokalen Anwendung bei einer CMV-Retinitis zugelassen, wurde aber 2002 aus kommerziellen Gründen wieder vom Markt genommen.
Mipomersen blockiert die Boten-RNA für das Apolipoprotein B, das den strukturelle Kern aller atherogenen Lipidtransporter im Blut bildet, darunter auch des LD-Lipoproteins, das bekanntlich Cholesterin transportiert.
Zwei aktuelle Studien belegen die außerordentlich starke Wirkung von Mipomersen. An der ersten Studie hatten 58 Patienten mit einer schweren Hypercholesterinämie teilgenommen, bei denen die LDL-Werte trotz hochdosierter lipidsenkenden Therapie über 300 mg/dl (über 200 mg/dl bei manifester kardiovaskulären Erkrankungen) lagen.
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Dennoch ist die Zulassung keineswegs sicher. Eine zielgerichtete Therapie ist nämlich nicht gleichbedeutend mit der Abwesenheit von Komplikationen. In beiden Studien musste die Therapie bei etwa einem Drittel der Patienten vorzeitig beendet werden.
Häufigste Komplikation ist ein persistierender Anstieg der Leberenzyme. Die Transaminase ALT steigt nicht selten auf mehr als das Dreifache des oberen Grenzwertes an. Todesfälle durch eine Leberschädigung sind in den beiden Studien nicht aufgetreten. Es liegen aber kaum langfristige Erfahrungen mit Mipomersen vor.
Wenn der Wirkstoff zugelassen wird, dürfte die Anwendung auf wenige Patienten mit extremen Cholesterinwerten (etwa bei der familiären Hypercholesterinämie) beschränkt bleiben. Die Ergebnisse der beiden Studien wurden bisher nur in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Eine Publikation steht noch aus. Die Hersteller Genzyme und Isis hoffen auf eine Zulassung im Verlaufe des nächsten Jahres.
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