Medizin

Prävention könnte jede dritte Demenz vermeiden

Freitag, 6. August 2010

Montpellier – Demenzen sind nicht immer schicksalhaft. Mehr als ein Drittel aller Erkrankungen sind einer Studie im Britischen Medical Journal (BMJ 2010;341: c3885) zufolge vermeidbar. Modifizierbare Risikofaktoren hätten sogar einen größeren Einfluss als ein bekanntes Krankheitsgen.

Nicht jede Demenz ist Folge eines Morbus Alzheimer, und selbst für diese degenerative Erkrankung sind in Studien modifizierbare Risikofaktoren ermittelt worden. Neben Störungen der Hirndurchblutung (infolge Herzerkrankungen, Schlaganfall, arterieller Hypertonie, Adipositas, Diabetes und hohen Cholesterinwerten) wurden auch Depressionen in der Vorgeschichte, eine ungesunde Ernährung, vermehrter Alkoholkonsum und ein niedriges Bildungsniveau in Studien mit der Entstehung einer Demenz in Verbindung gebracht.

Zu diesen epidemiologischen Untersuchungen gehört die Esprit Studie, die seit 1999 eine Stichprobe von Senioren aus der Stadt Montpellier in Südfrankreich begleitet. Von den zu Beginn im Durchschnitt 72 Jahre alten 1.433 Teilnehmern sind innerhalb von 7 Jahren 405 an einer Demenz erkrankt. Die Analyse von Karen Ritchie vom La Colombiere Hospital, Montpellier, zeigt eine Assoziation mit den bekannten Risikofaktoren.

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Sie hat das sogenannte adjustierte attributable Risiko errechnet. Es gibt jenen Teil der Erkrankungen an, die auf die einzelnen Risikofaktoren zurückzuführen sind. Überraschenderweise dominierte hier nicht das bekannte Alzheimer-Gen (ein Allel des Apolipoproteins E). Sein Anteil an allen Erkrankungen betrug nur 7,1 Prozent.

Von größerer Bedeutung waren Depressionen (10,3 Prozent), Diabetes (4,9 Prozent) und eine gesunde Ernährung mit mehr als zwei Portionen Obst und Gemüse am Tag (6,5 Prozent), die zusammen jede fünfte Demenz erklärten.

Ebenso stark war mit 18,1 Prozent der Einfluss eines niedrigen Bildungsniveau, der in der Studie durch die Leistungen in einem Lesetest (“Neale adult reading test”) ermittelt wurde. Zusammen beträgt der Anteil der modifizierbaren, sprich vermeidbaren Risikofaktoren 38,8 Prozent.

Ob allerdings wirklich mehr als ein Drittel aller Demenzerkrankungen durch eine bessere Schulbildung, gesunde Ernährung und die Meidung von Diabetes und Depressionen vermieden werden könnten, steht sicherlich auf einem anderen Blatt. © rme/aerzteblatt.de

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adonis
am Sonntag, 8. August 2010, 13:01

Demenz ist vermeidbar!!!

Klar man muss nur früher sterben. Aber das will ja auch keiner.
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